Fassadenmontage und Wandmontage von Solarmodulen
Nicht jeder hat einen Balkon, ein Dach oder einen Garten zur Verfügung. Aber eine Hauswand hat fast jeder. Die Fassadenmontage von Balkonkraftwerken ist eine unterschätzte Option, die vor allem bei Südfassaden überraschend gute Erträge liefert. In diesem Artikel erfährst du, wie die Montage an verschiedenen Wandtypen funktioniert, welche Erträge realistisch sind und warum die Fassade im Winter sogar Vorteile gegenüber dem Dach haben kann.
TL;DR
- Senkrecht an der Südfassade montierte Module bringen etwa 70 Prozent des Ertrags eines optimal geneigten Dachmoduls
- Im Winter holen vertikale Module mehr raus als flach geneigte, weil die tiefstehende Sonne direkt auf die Fläche trifft
- Auf WDVS-Fassaden brauchst du Spezialdübel, die durch die Dämmung bis in die tragende Wand reichen
- Klinker und Beton sind die einfachsten Untergründe, Holzfassaden brauchen Sorgfalt bei der Abdichtung
- Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde nötig
Warum die Fassade als Montageort Sinn ergibt
Die meisten Balkonkraftwerk-Besitzer denken zuerst an Balkon oder Dach. Die Fassade kommt selten als erstes in den Sinn, dabei hat sie einige handfeste Vorteile.
Erstens: Zugänglichkeit. Die Hauswand erreichst du von einer Leiter oder vom Boden aus. Kein Klettern aufs Dach, kein Arbeiten in schwindelerregender Höhe. Bei Erdgeschoss-Fassaden brauchst du oft nicht mal eine Leiter.
Zweitens: Winterertrag. Ein senkrecht montiertes Modul an einer Südfassade fängt die flachen Winterstrahlen optimal ein. Im Dezember steht die Sonne in Mitteldeutschland nur 15 bis 20 Grad über dem Horizont. Ein Dachmodul mit 30 Grad Neigung trifft die Sonne unter einem ungünstigen Winkel, während das senkrechte Fassadenmodul sie nahezu frontal bekommt. Im Winter kann ein Fassadenmodul deshalb sogar mehr Ertrag liefern als ein Dachmodul.
Drittens: Selbstreinigung. Vertikale Flächen verschmutzen weniger als geneigte. Regen wäscht den Staub effektiv ab, und Schnee kann sich auf einer senkrechten Fläche nicht ansammeln.
Die Ertragsrealität
Im Jahresdurchschnitt bringt ein senkrecht an der Südfassade montiertes Modul etwa 65 bis 70 Prozent des Ertrags eines optimal geneigten Südmoduls. Bei einem 400-Wp-Modul in Mitteldeutschland heißt das: Statt 400 bis 450 kWh (optimal geneigt) bekommst du 270 bis 310 kWh pro Jahr.
Das klingt nach einem deutlichen Verlust, relativiert sich aber: An der Fassade sparst du die Kosten für eine Aufständerung, die Montage ist einfacher, und der Winterertrag ist besser. Außerdem produziert ein senkrechtes Modul gleichmäßiger über das Jahr verteilt, weil es im Sommer nicht übermäßig viel und im Winter nicht übermäßig wenig liefert. Für den Eigenverbrauch kann dieses gleichmäßigere Profil sogar vorteilhaft sein.
Willst du den Ertrag steigern, kannst du das Modul leicht geneigt (10 bis 20 Grad von der Senkrechten weg) montieren, quasi als Mini-Vordach. Das bringt 5 bis 10 Prozent Mehrertrag gegenüber der rein senkrechten Montage, erfordert aber eine stabilere Halterung mit Auslegern.
Wandtypen und ihre Besonderheiten
Beton und Stahlbeton
Der einfachste Untergrund. Beton ist tragfähig, stabil und nimmt Schwerlastdübel ohne Probleme auf. Du bohrst mit einem Bohrhammer und einem Steinbohrer (10 oder 12 mm Durchmesser) Löcher in die Wand, setzt Schwerlastdübel ein und verschraubst die Montageschienen.
Für ein Standard-Modul (20 kg) brauchst du mindestens vier Befestigungspunkte. Mit Windlast (die bei Fassadenmontage geringer ist als bei Dach- oder Geländermontage, weil die Wand selbst als Windschutz wirkt) solltest du mit einer Auszugskraft von 200 bis 300 N pro Dübel rechnen. Ein Standard-Schwerlastdübel in Beton hält 1.500 bis 3.000 N, du hast also reichlich Sicherheitsreserve.
Vollklinker und Ziegelmauerwerk
Klinker und Vollziegel sind ähnlich tragfähig wie Beton. Achte darauf, dass du die Dübel in den Stein setzt, nicht in die Fuge. Fugen sind weicher (Mörtel statt Stein) und bieten weniger Halt. In einer sauberen Bohrung im Vollklinker hält ein Standarddübel problemlos.
Bei Hochlochziegeln (die mit den Löchern innen) sieht es anders aus. Hier brauchst du spezielle Hohlraumdübel, die sich hinter dem Stein auffalten und so Halt finden. Standard-Spreizdübel greifen in Hochlochziegeln nicht richtig und können herausrutschen.
WDVS (Wärmedämmverbundsystem)
WDVS-Fassaden sind die größte Herausforderung. Die Außenschicht besteht aus Putz auf Dämmplatten (Styropor oder Mineralwolle), und diese Dämmschicht ist nicht tragfähig. Du kannst keinen normalen Dübel in Styropor setzen und erwarten, dass er ein 20-kg-Modul hält.
Die Lösung sind WDVS-Abstandsmontage-Systeme. Diese bestehen aus langen Schraubankern (typischerweise 200 bis 300 mm, je nach Dämmstoffdicke), die durch die Dämmung hindurch in die tragende Wand reichen. Am äußeren Ende sitzt ein Abstandshalter, der die Montageschiene in einigem Abstand zur Fassade hält. Dazwischen wird die Dämmung mit einer Rosette abgedichtet, damit kein Wasser an der Durchdringung in die Dämmung eindringt.
Der kritische Punkt bei WDVS ist die Wärmebrücke. Jeder Metallanker, der durch die Dämmung führt, leitet Wärme von innen nach außen und schwächt die Dämmwirkung. Bei vier bis sechs Ankern für ein Balkonkraftwerk ist dieser Effekt minimal, aber er existiert. Spezielle Thermostop-Anker mit Kunststoffhülle reduzieren die Wärmebrücke.
Die Montage auf WDVS ist kein DIY-Projekt für Anfänger. Wenn du die Dämmung falsch durchbohrst, Feuchtigkeit eindringt oder die Dichtung nicht hält, hast du ein Schimmelproblem hinter der Fassade. Im Zweifelsfall einen Fachbetrieb hinzuziehen, der Erfahrung mit WDVS-Montagen hat.
Holzfassade
Holzfassaden findest du bei Fachwerkhäusern, Holzhäusern und als Verkleidung auf Mauerwerk. Die Tragfähigkeit hängt davon ab, was hinter dem Holz steckt.
Bei einer tragenden Holzwand (Holzständerbauweise) verschraubst du die Montageschienen mit langen Holzschrauben (mindestens 8 mm Durchmesser, 100 mm Länge) direkt in die Ständer. Vorbohren ist Pflicht, um Spalten zu vermeiden.
Bei einer Holzverkleidung auf Mauerwerk musst du durch das Holz hindurch in die tragende Wand dübeln. Die Holzverkleidung allein trägt kein Solarmodul. Verwende Distanzhülsen, um den Abstand zwischen Modulschiene und Wand zu überbrücken.
Wichtig bei Holzfassaden: Jede Bohrung ist ein potenzieller Eintrittspunkt für Feuchtigkeit. Dichte alle Schraubstellen mit Silikon oder PU-Dichtstoff ab. Edelstahlschrauben verwenden, kein verzinkter Stahl, der in Kontakt mit Holz korrodieren kann.
Naturstein und Bruchstein
Natursteinmauern (häufig bei Altbauten und ländlichen Gebäuden) sind unregelmäßig und oft nicht sehr tragfähig. Fugen können breit und mürbe sein, Steine können locker sitzen. Hier ist eine individuelle Beurteilung nötig. In vielen Fällen ist eine vorgelagerte Unterkonstruktion aus Aluminiumprofilen sinnvoller, die an wenigen, sorgfältig gewählten Punkten im Stein verankert wird und die Last auf eine größere Fläche verteilt.
Halterungssysteme für die Fassade
Wandhalterungen (flächenbündig)
Das Modul hängt direkt an der Wand, senkrecht, wie ein Bild. Die Halterung besteht aus Winkelkonsolen, die an der Wand verschraubt werden, und Montageschienen, auf denen das Modul sitzt. Das System ist einfach, unauffällig und erzeugt minimale Windlast, weil das Modul eng an der Wand liegt.
Kosten: 30 bis 60 Euro pro Modul.
Ausleger-Systeme (geneigt)
Das Modul ist leicht von der Wand abgekippt, typischerweise 10 bis 20 Grad. Die Halterung besteht aus Dreiecks-Konsolen, die an der Wand befestigt sind und das Modul in einem Winkel halten. Der Ertrag steigt gegenüber der senkrechten Montage um 5 bis 10 Prozent, aber das Modul ragt weiter von der Fassade ab und fängt mehr Wind.
Kosten: 50 bis 100 Euro pro Modul.
Vordach-Systeme
Eine kreative Variante: Das Modul dient als kleines Vordach über einem Fenster oder einer Tür. Die Halterung besteht aus zwei Ausleger-Armen, die an der Wand befestigt sind und das Modul in einem Winkel von 30 bis 45 Grad halten. Das Modul schützt gleichzeitig vor Regen und Sonne, und du hast einen Doppelnutzen.
Die Statik muss hier allerdings besonders sorgfältig berechnet werden, weil das Modul weit von der Wand absteht und ein großes Hebelmoment auf die Befestigungspunkte wirkt. Schnee- und Windlast kommen hinzu. Für ein Vordach-System brauchst du kräftige Anker in der tragenden Wand, keine Spielereien.
Kosten: 80 bis 150 Euro pro Modul.
Schritt für Schritt: Fassadenmontage auf Klinker
Hier der konkrete Ablauf für die häufigste Variante: Ein Solarmodul senkrecht an einer Klinkerfassade mit Wandhalterung.
Bestimme die optimale Position. Südwand ist ideal, Südwest oder Südost akzeptabel. Die Stelle sollte den ganzen Tag unverschattet sein, was bei einer Fassade oft einfacher zu beurteilen ist als auf dem Dach, weil du direkt davor stehen und den Sonnenverlauf beobachten kannst.
Markiere die Bohrlöcher. Halte die Wandkonsolen an die Wand und markiere die Löcher mit einem Bleistift. Verwende eine Wasserwaage, damit alles gerade wird. Pro Konsole brauchst du zwei bis drei Bohrlöcher.
Bohre die Löcher mit einem Bohrhammer und einem Steinbohrer (10 mm Durchmesser). Bohre in den Stein, nicht in die Fuge. Bohrtiefe: Dübellänge plus 10 mm Reserve.
Setze die Dübel ein und verschraube die Konsolen. Verwende Schwerlastdübel für Vollklinker. Ziehe die Schrauben mit einem Drehmomentschlüssel an (typisch 20 bis 30 Nm bei M10-Schrauben).
Montiere die Montageschienen auf den Konsolen. Die Schienen sollten waagerecht verlaufen und mit einer Wasserwaage ausgerichtet werden.
Hebe das Modul auf die Schienen und fixiere es mit Modulklemmen. Vier Klemmen pro Modul, je zwei oben und unten.
Verlege das Kabel an der Fassade entlang nach unten zur Steckdose oder zum Fensterdurchlass. Verwende UV-beständige Kabelkanäle, die du an der Wand verschraubst oder klebst.
Genehmigung und Denkmalschutz
Die Fassadenmontage ist genehmigungsrechtlich ein Sonderfall. Während die Balkonmontage seit dem Solarpaket I (Mai 2024) als privilegierte bauliche Veränderung gilt, ist die Fassadenmontage in manchen Bundesländern anders geregelt, besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden.
Mietwohnungen
Der Vermieter muss die Installation grundsätzlich dulden (privilegierte Maßnahme nach § 554 BGB), kann aber die Art der Ausführung mitbestimmen. Bei einer Fassadenmontage, die Bohrlöcher in die Wand erfordert, ist die Abstimmung mit dem Vermieter wichtiger als bei einer reversiblen Balkonmontage. In der Praxis empfehle ich ein kurzes Gespräch vorab, idealerweise mit einem Foto der geplanten Position.
Denkmalschutz
Bei denkmalgeschützten Fassaden brauchst du in fast allen Bundesländern eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde. Die Behörde prüft, ob die Installation das Erscheinungsbild des Gebäudes beeinträchtigt. In vielen Fällen wird die Fassadenmontage bei Denkmalschutz abgelehnt, weil sie die historische Substanz verändert. Ausnahmen gibt es für nicht einsehbare Fassadenseiten (Hinterhof, Innenhof) und für besonders unauffällige Lösungen (farblich angepasste Module, rahmenlose Module).
WEG
In der Wohnungseigentümergemeinschaft gilt die Fassade als Gemeinschaftseigentum. Die Montage muss von der Eigentümerversammlung genehmigt werden. Seit dem Solarpaket I darf die WEG die Installation nicht grundlos verweigern, kann aber Auflagen zur Optik machen.
Bifaziale Module an der Fassade
Bifaziale Module, die auf beiden Seiten Strom produzieren, sind an der Fassade besonders interessant, wenn die Wand hinter dem Modul hell ist (weißer Putz, helle Klinker). Das reflektierte Licht von der Wand trifft auf die Rückseite des Moduls und erzeugt zusätzlichen Strom. Der Mehrertrag durch die Rückseite liegt bei heller Wand bei 5 bis 10 Prozent. Bei dunklen Wänden (anthrazitfarbener Putz, Schieferverkleidung) ist der Effekt vernachlässigbar.
Damit der bifaziale Effekt funktioniert, muss zwischen Modul und Wand ein Abstand von mindestens 10 bis 15 cm sein. Bei flächenbündiger Montage direkt an der Wand bringt ein bifaziales Modul keinen Vorteil gegenüber einem normalen Modul.
Ost- und Westfassaden nutzen
Nicht immer steht die Südfassade zur Verfügung. Vielleicht zeigt sie zur Straße und der Vermieter wehrt sich, oder Bäume verschatten sie. In dem Fall sind Ost- und Westfassaden eine Alternative.
Ein Modul an der Ostfassade produziert morgens bis mittags, eines an der Westfassade von mittags bis abends. Einzeln betrachtet bringt jede Seite nur etwa 55 bis 65 Prozent des Süd-Ertrags. Aber zwei Module, eines Ost und eines West, liefern zusammen 110 bis 130 Prozent eines einzelnen Südmoduls, verteilt über den ganzen Tag. Das passt oft besser zum Verbrauchsprofil eines Haushalts, der morgens und abends den meisten Strom braucht.
Die Ost-West-Kombination hat noch einen Vorteil: Du brauchst nur einen Wechselrichter mit zwei MPPT-Eingängen (die meisten modernen Mikrowechselrichter haben das), und die beiden Module behindern sich nicht gegenseitig, weil sie nie gleichzeitig in der prallen Sonne stehen.
Typische Fehler vermeiden
Dübel in die Fuge statt in den Stein gesetzt. In der Mörtel-Fuge hält der Dübel nur halb so gut. Immer in den Stein bohren.
WDVS ohne Abdichtung durchbohrt. Jede offene Durchdringung der Dämmung zieht Feuchtigkeit. Immer Rosetten und Dichtstoff verwenden.
Modul direkt auf die Wand geschraubt, ohne Hinterlüftung. Zwischen Modul und Wand sollten mindestens 3 bis 5 cm Luft sein, damit sich keine Staunässe bildet und das Modul von hinten belüftet wird. Bei direktem Kontakt kann Feuchtigkeit die Wand schädigen und das Modul überhitzt im Sommer.
Kabel einfach baumeln lassen. An der Fassade fällt ein ungesichertes Kabel besonders auf und ist Wind und Wetter ausgesetzt. UV-beständige Kabelkanäle oder Kabelclips an der Wand verwenden.
Die Fassadenmontage ist eine solide Option, die besonders für Haushalte ohne Balkon oder Dachzugang interessant ist. Der geringere Jahresertrag gegenüber der Dachmontage wird durch die einfachere Installation und den besseren Winterertrag teilweise kompensiert. Und ein Modul, das 70 Prozent des Maximums liefert, ist immer noch deutlich besser als gar kein Modul.