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Ertragsvergleich: Eigene Anlage vs. PVGIS-Referenzwerte

Balkonkraftwerk-Ertrag mit PVGIS prüfen: So berechnest du den Referenzwert für deinen Standort und erkennst, ob deine Anlage optimal läuft.

    Ertragsvergleich: Eigene Anlage vs. PVGIS-Referenzwerte

    Dein Balkonkraftwerk hat im letzten Monat 45 kWh geliefert. Ist das gut? Ist das schlecht? Ohne einen Vergleichswert weißt du es schlicht nicht. Genau hier kommt PVGIS ins Spiel: ein kostenloses Online-Tool der EU-Kommission, das dir sagt, wie viel Ertrag an deinem Standort mit deiner Ausrichtung realistisch ist. Der Vergleich zwischen PVGIS-Prognose und deinem tatsächlichen Ertrag ist der einfachste Weg, die Gesundheit deiner Anlage zu beurteilen.

    TL;DR

    • PVGIS (Photovoltaic Geographical Information System) berechnet anhand von Satellitendaten den theoretischen Ertrag für jeden Standort in Europa
    • Ein 800-Wp-Balkonkraftwerk mit Südausrichtung und 30 Grad Neigung erzeugt in Deutschland typischerweise 650-850 kWh pro Jahr (je nach Region)
    • Dein Performance Ratio (Ist-Ertrag geteilt durch PVGIS-Soll-Ertrag) sollte bei 75-85 % liegen, exzellente Anlagen schaffen 85-90 %
    • Abweichungen unter 15-20 % vom Referenzwert sind normal (Wetter, lokale Verschattung, Toleranzen)
    • Bei größeren Abweichungen nach unten lohnt sich eine systematische Fehlersuche

    Was ist PVGIS und warum vertrauen wir ihm?

    PVGIS wird vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission betrieben und gepflegt. Es nutzt Satellitendaten (Einstrahlung, Temperatur, Bewölkung) über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren und berechnet daraus den erwarteten Ertrag einer PV-Anlage für praktisch jeden Standort in Europa.

    Das Tool ist wissenschaftlich fundiert, kostenlos und wird regelmäßig mit neuen Satellitendaten aktualisiert. Die aktuelle Version (PVGIS 5.3) nutzt die Strahlungsdatenbank SARAH-3 und gilt als eine der genauesten frei verfügbaren Quellen für Solareinstrahlungsdaten.

    Für Balkonkraftwerk-Betreiber ist PVGIS ein Geschenk: Du gibst deinen Standort, die Modulleistung, die Ausrichtung und den Neigungswinkel ein und bekommst eine monatliche Ertragsprognose. Diese Prognose ist dein Referenzwert, gegen den du deinen tatsächlichen Ertrag vergleichst.

    PVGIS Schritt für Schritt nutzen

    Die PVGIS-Oberfläche ist funktional, aber nicht besonders intuitiv. Hier eine Anleitung, wie du zur Ertragsprognose für dein Balkonkraftwerk kommst.

    1. PVGIS aufrufen

    Gehe auf re.jrc.ec.europa.eu/pvg_tools/en/ und wähle "PV Performance" als Tool.

    2. Standort eingeben

    Klicke auf die Karte oder gib deine Adresse im Suchfeld ein. PVGIS braucht den genauen Standort, weil die Einstrahlung selbst innerhalb Deutschlands um 15-20 % variiert (München bekommt mehr Sonne als Hamburg).

    3. PV-System konfigurieren

    Hier werden die Einstellungen entscheidend:

    PV Installed Peak Power: Die Nennleistung deiner Module in kWp. Bei zwei 400-Wp-Modulen trägst du 0,8 ein. Wichtig: Hier zählt die Modulleistung, nicht die Wechselrichterleistung.

    System Loss: Die Systemverluste in Prozent. PVGIS setzt standardmäßig 14 % an, was für Dachanlagen mit Verkabelung, Wechselrichter und Leitungsverlusten realistisch ist. Für Balkonkraftwerke mit kurzen Kabelwegen kannst du 10-12 % eintragen.

    Mounting Position: Wähle "Fixed" für fest montierte Module (der Normalfall bei Balkonkraftwerken).

    Slope (Neigung): Der Winkel deiner Module zur Horizontalen. Am Balkongeländer vertikal montiert: 90 Grad. Auf einem Aufständerungsgestell am Boden: typischerweise 15-35 Grad. Auf einem Flachdach: je nach Gestell.

    Azimuth (Ausrichtung): 0 = Süd, -90 = Ost, 90 = West, 180 = Nord. Ein nach Südosten ausgerichteter Balkon hat ca. -30 bis -45 Grad.

    4. Ergebnis ablesen

    Nach dem Klick auf "Visualize results" zeigt PVGIS:

    • Jahresertrag (E_y): Die erwartete Energieproduktion pro Jahr in kWh
    • Monatsverteilung: Eine Tabelle und Grafik mit dem erwarteten Ertrag pro Monat
    • Einstrahlungsdaten: Die mittlere Einstrahlung auf die Modulebene

    Diese Werte sind dein Referenzrahmen.

    Referenzwerte für typische Balkonkraftwerk-Setups

    Um dir die PVGIS-Abfrage zu erleichtern, hier ein paar Richtwerte für gängige Konfigurationen in Deutschland. Die Werte gelten für ein 800-Wp-System und berücksichtigen 12 % Systemverluste.

    Südausrichtung, 30 Grad Neigung

    Das ist nahezu die Idealaufstellung. PVGIS-Referenzwerte:

    • Norddeutschland (Hamburg): ca. 680-720 kWh/Jahr
    • Mitteldeutschland (Frankfurt): ca. 750-800 kWh/Jahr
    • Süddeutschland (München): ca. 800-860 kWh/Jahr

    Südausrichtung, 90 Grad (vertikal am Balkongeländer)

    Vertikale Montage am Balkongeländer kostet je nach Standort 25-35 % Ertrag gegenüber der Idealneigung:

    • Norddeutschland: ca. 450-500 kWh/Jahr
    • Mitteldeutschland: ca. 500-550 kWh/Jahr
    • Süddeutschland: ca. 550-600 kWh/Jahr

    Ost- oder Westausrichtung, 30 Grad Neigung

    Ost und West bringen erfahrungsgemäß 75-85 % des Südertrags:

    • Norddeutschland: ca. 520-570 kWh/Jahr
    • Mitteldeutschland: ca. 580-640 kWh/Jahr
    • Süddeutschland: ca. 630-690 kWh/Jahr

    Ost/West-Split (je ein Modul Ost, eins West), 30 Grad

    Interessant, weil die Erzeugung gleichmäßiger über den Tag verteilt ist:

    • Norddeutschland: ca. 530-580 kWh/Jahr
    • Mitteldeutschland: ca. 590-650 kWh/Jahr
    • Süddeutschland: ca. 640-700 kWh/Jahr

    Diese Zahlen sind Richtwerte. Dein konkreter Standort, lokale Verschattung und die tatsächliche Modulqualität beeinflussen den Ertrag.

    Der Performance Ratio: Deine Anlage bewerten

    Der Performance Ratio (PR) ist die zentrale Kennzahl für die Leistungsbewertung deiner Anlage. Er sagt aus, wie viel Prozent des theoretisch möglichen Ertrags du tatsächlich erreichst.

    Die Formel ist simpel:

    PR = Tatsächlicher Ertrag / PVGIS-Referenzertrag x 100

    Beispiel: Dein 800-Wp-System in Frankfurt hat im Juni 92 kWh produziert. PVGIS sagt für Juni 105 kWh voraus. Dein PR ist 92/105 = 87,6 %. Das ist ein sehr guter Wert.

    Was ist ein guter Performance Ratio?

    • 85-95 %: Exzellent. Deine Anlage läuft optimal.
    • 75-85 %: Gut. Normale Abweichungen durch lokale Bedingungen.
    • 65-75 %: Auffällig. Hier könnte ein Problem vorliegen, muss aber nicht.
    • Unter 65 %: Deutlicher Minderertrag. Fehlersuche ist angebracht.

    Warum liegt der PR selten bei 100 %? Weil PVGIS ideale Bedingungen annimmt: keine lokale Verschattung, saubere Module, perfekte Verkabelung. In der Realität gibt es immer Faktoren, die den Ertrag etwas drücken. Ein PR von 80 % bedeutet nicht, dass 20 % verloren gehen, sondern dass die realen Bedingungen 20 % unter dem Idealwert liegen. Das ist im Normalfall okay.

    Monatsweise oder jährlich vergleichen?

    Beides hat seinen Sinn. Der Jahresvergleich glättet Wetter- und Saisoneffekte und gibt dir ein Gesamtbild. Der Monatsvergleich ist sensitiver für Veränderungen: Wenn dein PR im Mai plötzlich von 82 % auf 65 % fällt, weißt du, dass im Mai etwas passiert ist.

    Der Tagesvergleich ist dagegen wenig aussagekräftig. Das Wetter schwankt von Tag zu Tag zu stark, als dass ein einzelner Tag eine verlässliche Aussage ermöglicht. Vergleiche immer mindestens Wochen oder Monate.

    Wenn der Ertrag zu niedrig ist: Systematische Fehlersuche

    Du hast verglichen, und dein PR liegt deutlich unter 75 %. Bevor du in Panik gerätst, geh die folgenden Punkte systematisch durch. Die häufigsten Ursachen sind harmlos und behebbar.

    Verschattung prüfen

    Verschattung ist der häufigste Grund für Minderertrag. Und sie ist tückisch, weil sie sich über die Jahreszeiten ändert. Im Winter steht die Sonne tiefer, und ein Baum, der im Sommer kein Problem war, wirft plötzlich Schatten auf dein Modul.

    Wie du prüfst: Beobachte deine Module über den Tag. Gibt es Zeiten, in denen Schatten auf Teile der Modulfläche fällt? Auch ein schmaler Schattenstrich über eine Zellreihe kann den Ertrag eines Moduls drastisch reduzieren (bei Modulen ohne Bypass-Dioden sogar um 50-80 %).

    Tipp: Manche Monitoring-Lösungen (OpenDTU, Hersteller-Apps) zeigen dir die Leistungskurve über den Tag. Eine Delle in der Kurve zu einer bestimmten Uhrzeit ist fast immer Verschattung.

    Verschmutzung checken

    Staub, Pollen, Vogelkot und Laub bilden eine lichtschluckende Schicht auf den Modulen. Der Effekt ist schleichend: 2-3 % Verlust pro Monat ohne Regen. Nach einem trockenen Sommer können 8-10 % zusammenkommen. Ein kräftiger Regen reinigt Module teilweise, aber Vogelkot und hartnäckigen Schmutz spült er nicht ab.

    Reinigung: Module mit klarem Wasser und einem weichen Schwamm abwischen. Kein Spülmittel, kein Hochdruckreiniger. Am besten morgens, wenn die Module noch kühl sind, um Glasspannungen durch kaltes Wasser auf heißer Oberfläche zu vermeiden.

    Ausrichtung und Neigung kontrollieren

    PVGIS berechnet den Ertrag für die von dir angegebene Neigung und Ausrichtung. Wenn du die Werte falsch eingegeben hast, ist der Vergleich sinnlos. Miss nach: Stimmt die Himmelsrichtung? Stimmt der Neigungswinkel? Eine Kompass-App auf dem Smartphone und ein Winkelmesser reichen.

    Typischer Fehler: Der Balkon zeigt laut Google Maps nach Süden, ist aber tatsächlich 30 Grad nach Südwesten gedreht. Das macht bei PVGIS einen Ertragsunterschied von 5-8 %.

    Verkabelung prüfen

    Lockere MC4-Stecker, Kabelknicke oder minderwertige Verlängerungskabel erhöhen den Widerstand und fressen Ertrag. Prüfe alle Steckverbindungen: Sitzen sie fest? Kein Spiel? Keine sichtbaren Korrosionsspuren? Liegen die Kabel spannungsfrei, ohne scharfe Knicke?

    Wechselrichter prüfen

    Zeigt der Wechselrichter Fehlercodes? Leuchtet die LED in der richtigen Farbe? Bei Hoymiles: Grünes Blinken = alles okay, rotes Blinken = Störung. Prüfe in der App, ob der Wechselrichter durchgehend Daten liefert oder ob es Lücken gibt (sporadische Ausfälle).

    Temperatureffekt berücksichtigen

    Solarmodule verlieren bei Hitze an Leistung: ca. 0,3-0,4 % pro Grad Celsius über 25 °C Modultemperatur. An einem heißen Sommertag mit 35 °C Außentemperatur kann die Modultemperatur 60-70 °C erreichen, das sind 35-45 °C über dem Referenzwert und damit 10-15 % Leistungsverlust. PVGIS berücksichtigt Temperatureffekte in seiner Berechnung, aber nur als Monatsdurchschnitt. An besonders heißen Einzeltagen ist dein Ertrag deshalb niedriger als die PVGIS-Prognose.

    Wechselrichter-Begrenzung

    Wenn deine Modulleistung deutlich über der Wechselrichterleistung liegt (z.B. 2 x 500 Wp Module an einem 800-W-Wechselrichter), wird der Wechselrichter in Spitzenzeiten die Leistung begrenzen (Clipping). Du erzeugst dann 1.000 Wp auf der DC-Seite, aber der Wechselrichter gibt nur 800 W auf der AC-Seite ab. PVGIS kennt diese Begrenzung nicht, weil du dort nur die Modulleistung eingibst. Das erklärt einen Teil der Differenz, ist aber kein Fehler, sondern Absicht (Überdimensionierung der Module erhöht den Jahresertrag, auch wenn Spitzenleistung verloren geht).

    Langzeitvergleich: Jahresweise Entwicklung

    Der wahre Wert des PVGIS-Vergleichs zeigt sich über Jahre. Wenn dein PR im ersten Jahr bei 82 % liegt, im zweiten bei 80 % und im dritten bei 78 %, ist das die normale Degradation deiner Module (0,3-0,5 % pro Jahr). Wenn dein PR aber im dritten Jahr plötzlich auf 65 % fällt, ist etwas passiert, das nichts mit Alterung zu tun hat.

    Trag dir die Jahres- und Monatserträge in eine Tabelle ein und vergleiche sie mit den PVGIS-Referenzwerten. Über die Jahre wird das zu einem wertvollen Datenschatz, der dir die Gesundheit deiner Anlage zeigt.

    Jenseits von PVGIS: Andere Referenzquellen

    PVGIS ist der Standard, aber nicht die einzige Quelle für Referenzwerte:

    pvoutput.org: Vergleich mit realen Anlagen in deiner Region. Realistischer als PVGIS, weil reale Bedingungen (Verschattung, Verschmutzung) eingepreist sind.

    Nachbarn: Wenn jemand in deiner Straße ein ähnliches Balkonkraftwerk hat, ist ein direkter Ertragsvergleich der ehrlichste Benchmark. Gleiche Sonneneinstrahlung, ähnliche Verschattungsbedingungen.

    Forecast.Solar: Tagesgenaue Prognosen basierend auf Wetterdaten. Nützlich für kurzfristige Vergleiche ("War mein gestriger Ertrag im Rahmen?"), aber weniger geeignet für Langzeitbewertung.

    PVGIS richtig interpretieren: Häufige Missverständnisse

    PVGIS ist ein mächtiges Tool, aber es wird oft falsch interpretiert. Hier die häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest.

    Missverständnis 1: PVGIS zeigt den maximalen Ertrag

    Falsch. PVGIS zeigt den durchschnittlichen erwarteten Ertrag basierend auf langjährigen Wetterdaten. In einem überdurchschnittlich sonnigen Jahr kannst du mehr erreichen als PVGIS vorhersagt, in einem unterdurchschnittlichen weniger. Schwankungen von +/- 10 % um den PVGIS-Wert sind allein durch das Wetter erklärbar.

    Missverständnis 2: PVGIS berücksichtigt lokale Verschattung

    Nein. PVGIS kennt deinen Balkon nicht, nicht die Bäume davor und nicht das Nachbargebäude. Es berechnet den Ertrag unter der Annahme, dass deine Module freie Sicht zum Himmel haben. Jede lokale Verschattung reduziert den realen Ertrag gegenüber PVGIS.

    Wie stark der Effekt ist, hängt von der Verschattung ab. Ein Balkon im 5. Stock ohne Bäume in der Nähe hat praktisch keine lokale Verschattung. Ein Balkon im Erdgeschoss mit einer Hecke vor dem Geländer kann 20-30 % weniger liefern als PVGIS berechnet.

    Missverständnis 3: Die Systemverluste sind bei Balkonkraftwerken gleich wie bei Dachanlagen

    Nicht ganz. PVGIS setzt standardmäßig 14 % Systemverluste an (Wechselrichter-Effizienz, Kabel, Reflexion, Temperatur, Mismatch). Bei Balkonkraftwerken mit kurzen Kabelwegen (2-5 Meter statt 20-50 Meter bei Dachanlagen) und modernen Mikrowechselrichtern mit 96-97 % Effizienz können die realen Verluste niedriger sein. 10-12 % Systemverluste sind für Balkonkraftwerke realistischer. Wenn du bei PVGIS die Standard-14 % lässt und dein Balkonkraftwerk nur 10 % reale Verluste hat, unterschätzt PVGIS deinen Ertrag um 4-5 %.

    Missverständnis 4: PVGIS-Monatswerte sind tagesgenaue Prognosen

    Nein. PVGIS gibt Monatsmittelwerte über viele Jahre an. Der tatsächliche Ertrag in einem konkreten Juni kann 20-30 % über oder unter dem PVGIS-Mittel liegen, je nach Wetter in diesem spezifischen Jahr. Vergleiche deshalb immer ganze Jahre oder nutze mehrjährige Durchschnitte für aussagekräftige Vergleiche.

    Ertragsvergleich automatisieren

    Den manuellen Vergleich mit PVGIS kannst du auch automatisieren, zumindest teilweise.

    Forecast.Solar in Home Assistant

    Die Forecast.Solar-Integration in Home Assistant liefert dir tagesaktuelle Ertragsprognosen basierend auf Wetterdaten. Sie ersetzt nicht den PVGIS-Langzeitvergleich, aber sie sagt dir: "Heute sind 3,5 kWh zu erwarten." Wenn dein System am Ende des Tages nur 2 kWh geliefert hat, weißt du, dass etwas nicht stimmt.

    Forecast.Solar ist in der Basisversion kostenlos und erstaunlich genau (typische Abweichung 15-25 % auf Tagesbasis, aber über eine Woche gemittelt deutlich besser). Die Einrichtung in Home Assistant dauert 5 Minuten.

    pvoutput.org als Benchmark

    Auf pvoutput.org siehst du die Erträge vergleichbarer Anlagen in deiner Region. Wenn alle anderen 800-Wp-Südanlagen in deiner PLZ heute 3 kWh geschafft haben und du nur 1,5 kWh, weißt du sofort, dass das Problem nicht das Wetter war.

    Eigene Referenztabelle aufbauen

    Der einfachste langfristige Vergleich: Trage dir monatlich den Ertrag in eine Tabelle ein, zusammen mit dem PVGIS-Referenzwert für diesen Monat. Berechne den Performance Ratio. Nach einem Jahr hast du deine persönliche Baseline, gegen die du alle Folgejahre vergleichst. In InfluxDB und Grafana lässt sich das als automatisches Dashboard abbilden, das den PR pro Monat zeigt und bei Abweichungen warnt.

    Optimierung: Wie du näher an den PVGIS-Wert kommst

    Wenn dein PR unter 75 % liegt und du die offensichtlichen Fehler (Verschattung, Verschmutzung, Defekte) ausgeschlossen hast, gibt es noch ein paar Stellschrauben.

    Neigung anpassen

    Die optimale Neigung für Jahresertrag liegt in Deutschland bei 30-35 Grad. Viele Balkonkraftwerke hängen aber vertikal am Geländer (90 Grad), was den Ertrag um 25-35 % reduziert. Ein Aufständerungs-Set für das Balkongeländer, das die Module auf 15-30 Grad neigt, kann den Ertrag deutlich steigern. Solche Sets kosten 30-60 Euro und sind in einer Stunde montiert.

    Ausrichtung optimieren

    Wenn du ein Modul auf Ost und eins auf West aufteilen kannst, verteilst du die Erzeugung gleichmäßiger über den Tag. Der Gesamtertrag ist zwar 5-10 % niedriger als bei reiner Südausrichtung, aber der Eigenverbrauch steigt, weil du morgens und abends mehr Solarstrom hast (wenn du typischerweise daheim bist) statt nur zur Mittagszeit, wenn du vielleicht auf der Arbeit bist.

    Module sauber halten

    Ein bis zwei Reinigungen pro Jahr (Frühling und Herbst) mit klarem Wasser und weichem Schwamm können 3-8 % Ertragssteigerung bringen, je nach Verschmutzungsgrad. Besonders in der Nähe von Bäumen (Pollen, Blätter), Straßen (Feinstaub) oder Taubenplätzen (Vogelkot) lohnt sich die regelmäßige Reinigung.

    Ein Balkonkraftwerk, das seinen PVGIS-Referenzwert zu 80 % erreicht, läuft gut. Wer mehr rausholen will, kann an Ausrichtung, Neigung und Sauberkeit schrauben, aber die letzten 10-15 % sind oft durch unveränderliche Faktoren bestimmt (lokale Verschattung, Mikroklima, Modultoleranz). Und das ist völlig in Ordnung.