Grundlagen & Einführung

Glossar: Die wichtigsten Begriffe rund um Balkonkraftwerke

Von AC bis Zweirichtungszähler: Alle Fachbegriffe rund um Balkonkraftwerke, Photovoltaik und Steckersolar verständlich erklärt.

    Glossar: Die wichtigsten Begriffe rund um Balkonkraftwerke

    Wer sich mit Balkonkraftwerken beschäftigt, stolpert schnell über Abkürzungen und Fachbegriffe, die nicht selbsterklärend sind. Dieses Glossar sammelt die wichtigsten davon und erklärt sie so, dass du sie beim nächsten Mal einordnen kannst, ohne einen Elektrotechnik-Kurs zu belegen.

    TL;DR

    • Dieses Glossar enthält die zentralen Begriffe rund um Balkonkraftwerke, Photovoltaik und Hausnetz-Einspeisung
    • Jeder Eintrag erklärt den Begriff in ein bis drei Sätzen, alltagstauglich und ohne Fachchinesisch
    • Die Begriffe sind alphabetisch sortiert und decken Technik, Recht und Praxis ab
    • Querverlinkungen zu vertiefenden Artikeln im Kompendium, wo verfügbar

    A

    AC (Alternating Current / Wechselstrom): Strom, der seine Richtung periodisch wechselt. Dein Hausnetz arbeitet mit AC: 230 Volt bei 50 Hertz. Der Wechselrichter deines Balkonkraftwerks wandelt den Gleichstrom der Module in diesen Wechselstrom um.

    Amortisation: Der Zeitpunkt, ab dem die eingesparten Stromkosten die Anschaffungskosten deines Balkonkraftwerks übersteigen. Bei einem typischen 800-Wp-Set liegt die Amortisationszeit bei 2 bis 5 Jahren.

    Aufständerung: Eine Halterung, die Solarmodule in einem bestimmten Winkel aufstellt, typischerweise 15 bis 35 Grad. Wird auf Flachdächern, im Garten und auf Terrassen eingesetzt und mit Beschwerungen (zum Beispiel Gehwegplatten) gesichert.

    Autarkie / Autarkiegrad: Der Anteil deines Stromverbrauchs, den du mit eigener Erzeugung deckst. Bei einem Balkonkraftwerk ohne Speicher liegt der Autarkiegrad typischerweise bei 10 bis 20 % des Gesamtverbrauchs. Nicht verwechseln mit der Eigenverbrauchsquote.

    Azimutwinkel: Die Himmelsrichtung, in die dein Solarmodul zeigt. 0 Grad = Norden, 90 Grad = Osten, 180 Grad = Süden, 270 Grad = Westen. Für maximalen Ertrag in Deutschland idealerweise 180 Grad (Süden).

    B

    Bifazial / bifaziales Modul: Ein Solarmodul, das auf beiden Seiten Licht einfängt. Die Rückseite nutzt reflektiertes Licht vom Boden oder von hellen Oberflächen. Bringt je nach Aufstellort 5 bis 15 % Mehrertrag gegenüber einem monofazialen Modul.

    Bypass-Diode: Eine Schutzkomponente in Solarmodulen, die verschattete Zellgruppen elektrisch überbrückt. Verhindert, dass eine einzelne verschattete Zelle die Leistung des gesamten Moduls herunterzieht. Typischerweise sind drei Bypass-Dioden pro Modul verbaut.

    D

    DC (Direct Current / Gleichstrom): Strom, der immer in die gleiche Richtung fließt. Solarmodule erzeugen Gleichstrom. Dieser muss vom Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt werden, bevor er ins Hausnetz eingespeist werden kann.

    Degradation: Die langsame, altersbedingte Leistungsabnahme von Solarmodulen. Moderne Module verlieren 0,3 bis 0,5 % Leistung pro Jahr. Nach 25 Jahren liefern sie noch 85 bis 90 % ihrer Anfangsleistung. Die Hersteller garantieren das typischerweise.

    Diffusstrahlung: Sonnenstrahlung, die durch Wolken, Dunst oder Reflexion gestreut wird und aus allen Himmelsrichtungen kommt. Auch bei bedecktem Himmel erzeugen Solarmodule Strom aus Diffusstrahlung, allerdings deutlich weniger als bei Direktstrahlung.

    DIN VDE V 0126-95: Die im Dezember 2025 veröffentlichte Produktnorm für Steckersolargeräte. Sie definiert erstmals verbindlich, was ein Steckersolargerät ist, und erlaubt den Schuko-Stecker für Anlagen bis 960 Wp Modulleistung.

    E

    EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz): Das zentrale deutsche Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien. Regelt unter anderem die Einspeisevergütung für PV-Anlagen. Balkonkraftwerke erhalten keine Einspeisevergütung nach EEG, profitieren aber von den vereinfachten Regelungen des Solarpakets I.

    Eigenverbrauch: Der Anteil des selbst erzeugten Solarstroms, den du direkt in deinem Haushalt verbrauchst. Jede Kilowattstunde Eigenverbrauch spart dir den vollen Strompreis (aktuell rund 37 Cent/kWh).

    Eigenverbrauchsquote: Das Verhältnis von selbst verbrauchtem Solarstrom zur gesamten Solarstromproduktion, in Prozent. Bei Balkonkraftwerken ohne Speicher typischerweise 50 bis 75 %, mit Speicher 70 bis 90 %.

    Einspeiseleistung: Die maximale Leistung, die der Wechselrichter ins Hausnetz abgibt. Bei Balkonkraftwerken seit dem Solarpaket I auf 800 W (genauer: 800 VA) begrenzt.

    Einspeisevergütung: Die Vergütung, die der Netzbetreiber für ins öffentliche Netz eingespeisten Strom zahlt. Gilt für Dachanlagen (aktuell ca. 8 Cent/kWh), aber nicht für Balkonkraftwerke.

    EVA (Ethylen-Vinylacetat): Eine transparente Kunststofffolie, die in Solarmodulen als Einbettungsmaterial und Feuchtigkeitsschutz für die Solarzellen dient. Liegt zwischen Glas und Zellen.

    F

    Ferraris-Zähler: Ein älterer, mechanischer Stromzähler mit Drehscheibe. Kann bei Einspeisung durch ein Balkonkraftwerk rückwärtslaufen. Seit dem Solarpaket I (Mai 2024) übergangsweise legal, wird vom Netzbetreiber durch einen Zweirichtungszähler ersetzt.

    G

    Globalstrahlung: Die gesamte auf eine horizontale Fläche treffende Sonnenstrahlung, bestehend aus Direkt- und Diffusstrahlung. In Deutschland liegt sie je nach Region bei 950 bis 1.250 kWh/m² pro Jahr.

    Grundlast: Der permanente Minimalstromverbrauch deines Haushalts, verursacht durch Dauerverbraucher wie Kühlschrank, Router, Standby-Geräte. Liegt typischerweise bei 200 bis 500 Watt. Ein Balkonkraftwerk ist ideal dimensioniert, um diese Grundlast tagsüber abzudecken.

    H

    Halbzellen-Technologie: Moderne Solarmodule verwenden halbierte Solarzellen statt ganzer Zellen. Vorteil: Geringere Stromstärke pro Zelle, weniger Verluste, besseres Verhalten bei Teilverschattung. Module mit 120 bis 144 Halbzellen sind 2025/2026 Standard.

    HJT (Heterojunction Technology): Eine Zelltechnologie, die kristallines Silizium mit amorphen Siliziumschichten kombiniert. Bietet hohe Wirkungsgrade (bis 24 % kommerziell) und hervorragendes Temperaturverhalten.

    I

    IEC 61215: Internationale Norm für die Prüfung und Zertifizierung von Solarmodulen. Stellt sicher, dass Module mechanischen Belastungen, Feuchtigkeit und Temperaturwechseln standhalten. Beim Kauf eines Balkonkraftwerks auf diese Zertifizierung achten.

    K

    kWh (Kilowattstunde): Die gängige Einheit für Energiemenge. Eine kWh ist die Energie, die ein Gerät mit 1.000 Watt Leistung in einer Stunde verbraucht. Dein Stromversorger rechnet in kWh ab (aktuell ca. 37 Cent/kWh).

    kWp (Kilowatt Peak): Die Nennleistung einer PV-Anlage unter Standard-Testbedingungen (STC). 1 kWp = 1.000 Wp. Ein typisches Balkonkraftwerk hat 0,4 bis 2 kWp.

    M

    Marktstammdatenregister (MaStR): Das zentrale Online-Register der Bundesnetzagentur, in dem alle Stromerzeugungsanlagen in Deutschland registriert werden. Die Registrierung deines Balkonkraftwerks ist dort Pflicht und kostenlos.

    MC4-Stecker: Der Standardstecker für die Verbindung zwischen Solarmodulen und Wechselrichter. Wetterfest, verriegelbar und verpolungssicher (Plus passt nur in Plus, Minus nur in Minus).

    Mikrowechselrichter: Ein kleiner Wechselrichter, der direkt hinter dem Solarmodul montiert wird. Bei Balkonkraftwerken Standard. Im Gegensatz zu String-Wechselrichtern bei Dachanlagen arbeitet ein Mikrowechselrichter modulnah und hat oft ein bis zwei MPPT-Eingänge.

    Modulleistung: Die Gesamtleistung aller angeschlossenen Solarmodule in Wp. Bei Balkonkraftwerken seit dem Solarpaket I auf maximal 2.000 Wp begrenzt.

    Monokristallin: Silizium-Solarzellen aus einem einzigen Kristall. Erkennbar an der gleichmäßig schwarzen bis dunkelgrauen Oberfläche. Höchste Wirkungsgrade (20 bis 24 % kommerziell). Der Standard bei Balkonkraftwerken 2025/2026.

    MPPT (Maximum Power Point Tracking): Eine Funktion des Wechselrichters, die ständig den optimalen Arbeitspunkt der Solarmodule sucht. Maximiert den Ertrag bei wechselnden Lichtverhältnissen. Zwei unabhängige MPPT-Eingänge sind bei Balkonkraftwerken mit zwei Modulen sinnvoll.

    N

    NA-Schutz (Netz- und Anlagenschutz): Eine gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsfunktion im Wechselrichter (nach VDE-AR-N 4105). Schaltet die Einspeisung innerhalb von Millisekunden ab, wenn das Netz ausfällt. Verhindert, dass bei Wartungsarbeiten Strom ins abgeschaltete Netz eingespeist wird.

    Neigungswinkel / Tiltwinkel: Der Winkel, in dem das Solarmodul gegenüber der Horizontalen geneigt ist. 0 Grad = flach liegend, 90 Grad = senkrecht. Optimal in Deutschland: 30 bis 35 Grad. Senkrecht an der Balkonbrüstung: 90 Grad (ca. 30 % weniger Ertrag als optimal).

    Netzeinspeisung: Die Abgabe von überschüssigem Solarstrom in das öffentliche Stromnetz. Bei Balkonkraftwerken ohne Vergütung.

    Nullsteuersatz: Seit dem 1. Januar 2023 gilt für den Kauf und die Installation von PV-Komponenten in Deutschland ein Umsatzsteuersatz von 0 %. Das macht Balkonkraftwerke, Module, Wechselrichter und Zubehör netto zum Bruttopreis.

    P

    PERC (Passivated Emitter and Rear Cell): Eine Zelltechnologie mit einer zusätzlichen Reflexionsschicht auf der Rückseite der Zelle. Steigert den Wirkungsgrad auf 20 bis 22 %. War bis 2024 der Standard, wird zunehmend von TOPCon abgelöst.

    Perowskit: Ein Material, das in zukünftigen Tandem-Solarzellen zusammen mit Silizium Wirkungsgrade über 30 % erreichen könnte. Noch nicht marktreif, Haltbarkeitsprobleme werden noch gelöst. Markteinführung frühestens 2028 bis 2030.

    Photovoltaischer Effekt: Der physikalische Effekt, bei dem Licht (Photonen) in bestimmten Materialien (Halbleitern wie Silizium) Elektronen freisetzt und so elektrischen Strom erzeugt. Grundlage aller Solarzellen.

    PVGIS (Photovoltaic Geographical Information System): Ein kostenloses Online-Tool der Europäischen Kommission zur Berechnung des erwarteten Solarertrags an einem bestimmten Standort. Nutzt Satellitendaten und ist das genaueste frei verfügbare Werkzeug für Ertragsprognosen.

    R

    Raumladungszone: Die dünne Grenzschicht im Inneren einer Solarzelle, in der das elektrische Feld entsteht, das die vom Licht freigesetzten Elektronen in eine Richtung treibt. Ohne diese Zone würde keine Spannung aufgebaut und kein Strom fließen.

    S

    Schuko-Stecker: Der haushaltsübliche Stecker mit zwei runden Kontakten und Schutzkontakt. Seit der VDE-Norm DIN VDE V 0126-95 (Dezember 2025) offiziell für den Anschluss von Balkonkraftwerken bis 960 Wp Modulleistung zugelassen.

    Solarpaket I: Ein im Mai 2024 in Kraft getretenes Gesetzespaket, das die Regelungen für Balkonkraftwerke grundlegend vereinfacht hat. Kernpunkte: Einspeisegrenze von 600 auf 800 W angehoben, Modulleistung bis 2.000 Wp erlaubt, Anmeldung beim Netzbetreiber entfallen, rückwärtslaufender Zähler übergangsweise geduldet.

    STC (Standard Test Conditions): Standardbedingungen, unter denen die Nennleistung von Solarmodulen gemessen wird: 1.000 W/m² Einstrahlung, 25 °C Zelltemperatur, AM 1,5 Spektrum. Die realen Bedingungen weichen fast immer davon ab.

    Steckersolargerät: Die offizielle, normative Bezeichnung für ein Balkonkraftwerk. Definiert als PV-Gerät mit maximal 800 VA Wechselrichterleistung, das über eine Steckverbindung an den Endstromkreis angeschlossen wird.

    T

    Temperaturkoeffizient: Gibt an, wie viel Leistung ein Solarmodul pro Grad Celsius über 25 °C verliert. Typisch: -0,3 bis -0,4 %/°C. Bei 45 °C Zelltemperatur verliert ein Modul also 6 bis 8 % seiner Nennleistung. HJT-Module haben mit ca. -0,26 %/°C den besten Wert.

    TOPCon (Tunnel Oxide Passivated Contact): Eine moderne Zelltechnologie mit einer ultradünnen Tunneloxidschicht, die den Elektronentransport verbessert. Erreicht kommerziell 22 bis 24 % Wirkungsgrad und bietet besseres Schwachlichtverhalten als PERC.

    V

    VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik): Der deutsche Normungsverband für elektrotechnische Sicherheit. Die VDE-Normen legen fest, welche technischen Anforderungen ein Balkonkraftwerk erfüllen muss.

    VDE-AR-N 4105: Die Anwendungsregel für den Netz- und Anlagenschutz. Schreibt vor, dass Wechselrichter bei Netzstörungen automatisch abschalten. Gilt für alle netzgekoppelten PV-Anlagen, also auch Balkonkraftwerke.

    W

    Watt (W): Die Einheit für elektrische Leistung. Ein 800-W-Balkonkraftwerk kann maximal 800 Watt Leistung ins Netz abgeben. Zum Vergleich: Ein Wasserkocher zieht 2.000 bis 2.400 W, ein Kühlschrank im Durchschnitt 40 bis 80 W.

    Watt Peak (Wp): Die Nennleistung eines Solarmoduls unter STC. Ein Modul mit 450 Wp erzeugt unter Laborbedingungen 450 Watt. In der Praxis liegt die tatsächliche Leistung fast immer darunter.

    Wechselrichter: Das Gerät, das den Gleichstrom der Solarmodule in netztauglichen Wechselstrom umwandelt. Bei Balkonkraftwerken als Mikrowechselrichter direkt am Modul montiert. Begrenzt die Einspeisung auf maximal 800 W.

    WEG (Wohnungseigentümergemeinschaft): Die Gemeinschaft aller Eigentümer in einem Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen. Seit 2024 haben Wohnungseigentümer einen gesetzlichen Anspruch auf die Installation eines Balkonkraftwerks, die WEG darf das nur aus triftigen Gründen ablehnen.

    Wieland-Stecker: Ein spezieller, berührungsgeschützter Einspeisestecker, der lange als einzige normkonforme Anschlussmöglichkeit für Balkonkraftwerke galt. Seit der VDE-Norm von Dezember 2025 ist der Schuko-Stecker bis 960 Wp eine gleichwertige Alternative. Der Wieland-Stecker bleibt für größere Setups eine Option.

    Z

    Zweirichtungszähler: Ein digitaler Stromzähler, der Bezug (Strom aus dem Netz) und Einspeisung (Strom ins Netz) getrennt zählt. Wird vom Netzbetreiber auf seine Kosten eingebaut und ersetzt den alten Ferraris-Zähler.

    Dieses Glossar wird regelmäßig aktualisiert. Fehlt ein Begriff? Die Begriffe aus diesem Glossar werden in allen Artikeln des Kompendiums verwendet und beim ersten Auftreten kurz erklärt.