Grundlagen & Einführung

Das Grundlast-Konzept: Warum Balkonkraftwerke ideal für die Grundlast sind

Was ist die Grundlast im Haushalt und wie deckt ein Balkonkraftwerk sie optimal ab? Grundlast messen, verstehen und mit Solar abdecken.

    Das Grundlast-Konzept: Warum Balkonkraftwerke ideal für die Grundlast sind

    Dein Haushalt verbraucht Strom, auch wenn du nicht zu Hause bist. Der Kühlschrank brummt, der Router blinkt, die Heizungspumpe dreht sich, und der Fernseher hängt im Standby. Dieser permanente Minimalverbrauch heißt Grundlast, und er ist der Grund, warum ein Balkonkraftwerk vom ersten Tag an sinnvoll Strom einspart. Wie hoch deine Grundlast ist, wie du sie misst und warum ein Balkonkraftwerk geradezu perfekt darauf abgestimmt ist, erfährst du hier.

    TL;DR

    • Die Grundlast eines durchschnittlichen Haushalts liegt bei 200 bis 500 Watt, das sind über das Jahr gerechnet 1.750 bis 4.380 kWh
    • Ein 800-Wp-Balkonkraftwerk kann die Grundlast tagsüber weitgehend decken, ohne dass Strom verschenkt wird
    • Je besser dein Balkonkraftwerk zur Grundlast passt, desto höher ist die Eigenverbrauchsquote und desto schneller die Amortisation
    • Die Grundlast kannst du mit einem einfachen Energiemessgerät oder dem Stromzähler selbst messen
    • Durch Verlagerung von Verbrauchern in die Sonnenstunden steigerst du den Eigenverbrauch um 10 bis 20 Prozentpunkte

    Was Grundlast eigentlich bedeutet

    Grundlast ist der Stromverbrauch, der in deinem Haushalt rund um die Uhr anfällt, unabhängig davon, ob du gerade kochst, fernsehst oder schläfst. Wenn du morgens das Haus verlässt und abends wiederkommst, laufen trotzdem Geräte weiter. Die ziehen in der Zwischenzeit Strom, und genau das ist deine Grundlast.

    Typische Grundlast-Verursacher sind der Kühlschrank (40 bis 80 W im Durchschnitt, wobei der Kompressor zyklisch ein- und ausschaltet), die Gefriertruhe (30 bis 60 W), der WLAN-Router (8 bis 15 W), die Heizungspumpe (20 bis 80 W, im Winter höher), Geräte im Standby (Fernseher, Spielkonsole, Soundbar, AV-Receiver: zusammen 10 bis 50 W), Ladegeräte die dauerhaft eingesteckt sind (5 bis 15 W), ein NAS oder Server (20 bis 60 W) und eventuell eine Überwachungskamera oder ein Smart-Home-Hub (5 bis 15 W).

    Addiert kommst du in einem durchschnittlichen Haushalt auf 200 bis 400 Watt Grundlast. Haushalte mit älterer Technik, mehreren Kühlgeräten oder einer Umwälzpumpe landen eher bei 400 bis 500 Watt. Minimalistisch eingerichtete Haushalte mit modernen Geräten schaffen auch 150 bis 200 Watt.

    Was die Grundlast übers Jahr kostet

    Rechne mal mit: 300 Watt Grundlast, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Das sind 2.628 kWh pro Jahr, nur für den Dauerverbrauch. Bei 35 Cent pro kWh sind das 920 Euro. Bei einem Gesamtverbrauch von 3.500 kWh macht die Grundlast also rund 75 % deiner Stromrechnung aus. Überraschend, oder?

    Dieses Verhältnis erklärt, warum die Grundlast das optimale Angriffsziel für ein Balkonkraftwerk ist. Wer die Grundlast mit Solarstrom deckt, senkt den größten und konstantesten Posten auf der Stromrechnung.

    Warum Balkonkraftwerke und Grundlast zusammenpassen

    Ein Balkonkraftwerk erzeugt Strom, wenn die Sonne scheint, also tagsüber. Die Grundlast fällt rund um die Uhr an, aber die Tageshälfte davon - sagen wir 10 bis 14 Stunden je nach Jahreszeit - überlappt mit der Solarproduktion.

    Und hier wird es elegant: Ein 800-Wp-Balkonkraftwerk liefert an einem durchschnittlichen Tag in Deutschland (nicht nur am sonnigsten Sommertag, sondern über das Jahr gemittelt) rund 2 bis 2,5 kWh. Deine Grundlast verbraucht in denselben Sonnenstunden (sagen wir 10 Stunden bei 300 W) rund 3 kWh. Das heißt, dein Balkonkraftwerk liefert in den meisten Stunden weniger oder gerade so viel, wie deine Grundlast verbraucht. Es fließt also wenig bis nichts ins Netz - der Strom wird nahezu vollständig selbst genutzt.

    Das ist der Unterschied zu einer großen Dachanlage, die mittags vielleicht 8 kW ins Netz schiebt, weil der Haushalt gerade nur 500 W braucht. Bei einem Balkonkraftwerk bleibt die Einspeisung in der Größenordnung des Grundverbrauchs, und genau das maximiert den Eigenverbrauchsanteil.

    Die Eigenverbrauchsquote verstehen

    Die Eigenverbrauchsquote gibt an, welchen Anteil des erzeugten Solarstroms du selbst nutzt. Bei einem Balkonkraftwerk liegt sie typischerweise bei 50 bis 80 %, bei einer großen Dachanlage ohne Speicher nur bei 20 bis 35 %. Der Grund: Das Balkonkraftwerk ist klein genug, um nur die Grundlast zu bedienen, und groß genug, um einen spürbaren Teil davon abzudecken.

    Eine hohe Eigenverbrauchsquote ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit. Jede kWh, die du selbst verbrauchst, spart dir 35 Cent (den Bezugspreis). Jede kWh, die ins Netz fließt, bringt dir bei einem Balkonkraftwerk nichts. Deshalb ist ein Balkonkraftwerk, das 600 kWh erzeugt und davon 80 % selbst nutzt (480 kWh Eigenverbrauch, 168 Euro Ersparnis), wirtschaftlich besser als eines, das 900 kWh erzeugt und nur 55 % selbst nutzt (495 kWh Eigenverbrauch, 173 Euro Ersparnis) - der Unterschied ist minimal, obwohl das zweite deutlich mehr produziert.

    Deine Grundlast messen

    Bevor du dein Balkonkraftwerk dimensionierst, solltest du wissen, wie hoch deine Grundlast tatsächlich ist. Es gibt drei Methoden.

    Methode 1: Der Stromzähler-Trick

    Geh nachts um 23 Uhr zu deinem Stromzähler und lies den Stand ab. Geh morgens um 7 Uhr wieder hin (oder stell dir einen Wecker). Die Differenz geteilt durch 8 Stunden ergibt deine nächtliche Durchschnittsleistung in kWh/h, also im Grunde deine Grundlast in kW. Beispiel: 2,4 kWh Differenz in 8 Stunden = 0,3 kW = 300 Watt Grundlast.

    Besser noch: Wiederhole das an einem Wochentag und einem Wochenende, und nimm den Durchschnitt.

    Methode 2: Energiemessgerät an der Sicherung

    Ein Energiemessgerät (gibt es ab 10 Euro) misst den Stromverbrauch an einer Steckdose. Steck es zwischen Stecker und Dose und lies nach 24 Stunden den Verbrauch ab. Das funktioniert allerdings nur für einzelne Geräte, nicht für den Gesamthaushalt.

    Für den Gesamtüberblick brauchst du ein Gerät, das am Zählerkasten den Gesamtverbrauch misst. Smarte Stromzähler (digitale Messeinrichtungen) können dir die Daten direkt liefern, wenn du einen optischen Auslesekopf und eine App nutzt. Das ist etwas Aufwand, aber die genaueste Methode.

    Methode 3: Die Einzelgerät-Methode

    Geh Gerät für Gerät durch und addiere die Dauerverbraucher: Kühlschrank (Typenschild plus Laufzeit), Router (steht auf dem Netzteil), Standby-Geräte (mit Messgerät prüfen). Die Summe ergibt eine gute Näherung deiner Grundlast. Diese Methode hat den Vorteil, dass du gleichzeitig erkennst, welche Geräte besonders viel verbrauchen und ob du irgendwo Standby-Vampiere abstellen kannst.

    Die Grundlast mit dem Balkonkraftwerk abdecken

    Jetzt wird es praktisch. Du kennst deine Grundlast und willst dein Balkonkraftwerk so dimensionieren, dass es möglichst viel davon abdeckt, ohne zu viel Strom zu verschenken.

    Dimensionierung als Faustregel

    Dein Balkonkraftwerk sollte eine Modulleistung haben, die etwas über deiner Grundlast liegt. Der Grund: An einem durchschnittlichen Tag liefert ein Modul nicht seine volle Nennleistung, sondern je nach Lichtverhältnissen 20 bis 80 % davon. Wenn deine Grundlast bei 300 Watt liegt, erzeugt ein 300-Wp-Modul in der Praxis oft nur 150 bis 250 Watt. Ein 800-Wp-Set liefert dagegen auch bei bedecktem Himmel noch 200 bis 400 Watt und deckt deine Grundlast über mehr Stunden des Tages ab.

    Für eine Grundlast von 200 bis 300 Watt ist ein Zwei-Modul-Set mit 800 Wp ideal. Bei 400 bis 500 Watt Grundlast profitierst du von vier Modulen mit 1.600 bis 2.000 Wp, weil du damit auch morgens, abends und bei Bewölkung die Grundlast triffst.

    Was passiert, wenn die Produktion die Grundlast übersteigt?

    An einem sonnigen Mittag liefert dein 800-Wp-Balkonkraftwerk vielleicht 650 Watt, deine Grundlast liegt aber nur bei 300 Watt. Die überschüssigen 350 Watt fließen ins Netz - verschenkt. Um das zu vermeiden, hast du mehrere Möglichkeiten.

    Du verlagerst Verbraucher in die Mittagszeit: Waschmaschine, Spülmaschine oder Trockner mittags statt abends laufen lassen. Eine Waschmaschine zieht im Schnitt 400 bis 600 Watt, ein Geschirrspüler 500 bis 800 Watt. Wenn du die mittags anwirfst, nutzt du den Solarüberschuss direkt.

    Du nutzt einen Timer: Viele Geräte haben eingebaute Timer, oder du nutzt eine Zeitschaltuhr (mechanisch ab 5 Euro, per WLAN ab 15 Euro), um Verbraucher gezielt in die Sonnenstunden zu legen.

    Du installierst einen Speicher: Ein kleiner Speicher mit 1 bis 2 kWh fängt den Mittagsüberschuss ab und gibt ihn abends an die Grundlast zurück. Damit deckst du die Grundlast nicht nur tagsüber, sondern auch am Abend und in der Nacht. Die Eigenverbrauchsquote steigt von typisch 60 bis 70 % auf 80 bis 90 %.

    Grundlast optimieren: Weniger verbrauchen, mehr decken

    Bevor du dein Balkonkraftwerk auf eine hohe Grundlast dimensionierst, lohnt es sich, die Grundlast selbst zu senken. Jedes Watt, das du bei der Grundlast sparst, ist doppelt gewonnen: Du sparst Strom, und dein Balkonkraftwerk deckt einen größeren Anteil des Restverbrauchs.

    Standby-Verbrauch eliminieren

    Alte Fernseher, Spielkonsolen und AV-Receiver ziehen im Standby 5 bis 15 Watt, zusammen schnell 30 bis 50 Watt. Eine Steckdosenleiste mit Schalter löst das Problem für 5 Euro. Über das Jahr spart das bei 40 Watt Standby-Vermeidung rund 350 kWh und 123 Euro.

    Alte Heizungspumpe tauschen

    Ungeregelte Heizungspumpen aus den 2000er Jahren verbrauchen 50 bis 80 Watt rund um die Uhr (auch im Sommer, wenn sie sinnlos vor sich hin pumpen). Moderne Hocheffizienzpumpen brauchen 5 bis 15 Watt und passen ihre Leistung an den Bedarf an. Der Tausch kostet 200 bis 400 Euro und spart 300 bis 500 kWh im Jahr.

    Alten Kühlschrank ersetzen

    Ein 15 Jahre alter Kühlschrank verbraucht 250 bis 350 kWh pro Jahr, ein modernes A-Klasse-Gerät 80 bis 120 kWh. Der Verbrauchsunterschied von 150 bis 230 kWh senkt die Grundlast um 15 bis 25 Watt.

    WLAN-Router optimieren

    Die meisten Router haben eine Energiesparfunktion, die das WLAN nachts abschaltet oder die Sendeleistung reduziert. Nutze sie. Alternativ: Manche Fritzbox-Modelle können per Zeitschaltung das 5-GHz-Band nachts deaktivieren.

    Grundlast und Verbrauchsprofil: Zwei Seiten derselben Medaille

    Die Grundlast ist nur ein Teil deines Verbrauchsprofils. Dein Tagesverbrauch schwankt typischerweise zwischen der Grundlast (200 bis 500 Watt) in den ruhigen Stunden und Spitzen von 2.000 bis 5.000 Watt, wenn du kochst, den Föhn benutzt oder die Waschmaschine läuft.

    Für dein Balkonkraftwerk ist das Verbrauchsprofil deshalb relevant, weil es bestimmt, wie viel vom erzeugten Solarstrom du tatsächlich nutzt. Wenn du tagsüber im Home Office arbeitest (Computer 80 bis 150 Watt, Monitor 30 bis 60 Watt, Beleuchtung 20 bis 40 Watt), steigt dein Tagesverbrauch auf 350 bis 650 Watt, und dein Balkonkraftwerk findet fast immer einen Abnehmer für seinen Strom.

    Wenn du tagsüber aus dem Haus bist und erst abends nach Hause kommst, liegt der Tagesverbrauch nahe der Grundlast (200 bis 400 Watt), und die Spitze kommt abends - wenn die Solarproduktion nachlässt. In diesem Fall lohnt sich ein Speicher besonders, weil er den tagsüber erzeugten Strom für den Abend aufhebt.

    Rechenbeispiel: Grundlast-Deckung mit und ohne Speicher

    Ohne Speicher

    Grundlast: 300 Watt. Balkonkraftwerk: 800 Wp, Süd-Balkon, senkrecht. Tägliche Solarproduktion (Jahresdurchschnitt): ca. 2 kWh. Davon während der Grundlast-Stunden nutzbar: ca. 1,3 kWh (65 %). Jährlich: 475 kWh Eigenverbrauch. Ersparnis bei 35 Cent/kWh: 166 Euro pro Jahr.

    Mit Speicher (1 kWh)

    Gleiche Grundlast, gleiches Balkonkraftwerk. Der Speicher fängt tagsüber den Überschuss auf (ca. 0,5 bis 0,8 kWh pro Tag) und gibt ihn abends/nachts ab. Eigenverbrauch steigt auf ca. 1,8 kWh pro Tag, also 660 kWh jährlich. Ersparnis: 231 Euro pro Jahr. Der Speicher bringt also zusätzlich 65 Euro pro Jahr. Bei Speicherkosten von 300 bis 400 Euro amortisiert sich der Speicher in 5 bis 6 Jahren.

    Warum die Grundlast das perfekte Ziel für dein Balkonkraftwerk ist

    Die Grundlast ist berechenbar. Sie schwankt wenig, sie fällt jeden Tag an, und sie ist groß genug, um den Ertrag eines Balkonkraftwerks weitgehend aufzunehmen. Kein anderer Verbraucher in deinem Haushalt bietet diese Kombination aus Konstanz und Volumen.

    Wenn du dein Balkonkraftwerk auf die Grundlast ausrichtest, musst du dir keine Sorgen machen, dass du zu viel Strom produzierst und verschenkst. Du musst nicht deinen Tagesablauf umstellen oder Geräte auf Timer setzen (obwohl das den Eigenverbrauch noch weiter steigert). Du steckst das Ding ein, und es arbeitet sich still durch die Grundlast, Stunde für Stunde, Tag für Tag.

    Und genau das macht Balkonkraftwerke so elegant: Sie sind nicht dazu da, deinen gesamten Haushalt zu versorgen. Sie sind dazu da, den unsichtbaren Dauerverbrauch abzufangen, der sonst still und leise hunderte Euro im Jahr kostet.