Aufstellpool und Solarstrom: Pumpe, Salzanlage und Heizung mit dem Balkonkraftwerk betreiben
Aufstellpools von Intex, Bestway oder Steinbach stehen in Hunderttausenden deutschen Gärten. Was die wenigsten Besitzer auf dem Schirm haben: Die laufenden Stromkosten. Filterpumpe 6 bis 10 Stunden am Tag, Salzanlage im Dauerbetrieb, Pool-Wärmepumpe wenn das Wetter nicht mitspielt. Am Ende des Sommers stehen 150 bis 500 Euro auf der Stromrechnung, nur für den Pool. Ein Balkonkraftwerk kann einen Großteil davon abfangen, weil der Pool seinen Strom genau dann braucht, wenn die Sonne scheint.
TL;DR
- Eine typische Aufstellpool-Sandfilteranlage zieht 250 bis 550 Watt und läuft 6 bis 10 Stunden am Tag, das sind 1,5 bis 5,5 kWh täglich
- Eine Salzwasseranlage addiert 50 bis 150 Watt Dauerlast während der Filterlaufzeit
- Ein 800-Watt-Balkonkraftwerk deckt bei kleinen bis mittleren Aufstellpools 70 bis 100 Prozent des Pumpenstroms
- Pool-Wärmepumpen (1.000 bis 2.500 Watt) übersteigen die BKW-Kapazität, aber das Balkonkraftwerk übernimmt immerhin 30 bis 60 Prozent
- Die Poolsaison (Mai bis September) ist identisch mit der Hochertragsphase des Balkonkraftwerks
Was ein Aufstellpool an Strom braucht
Die Filterpumpe: Dein größter Verbraucher
Jeder Pool braucht eine Filterpumpe, die das Wasser umwälzt und durch den Filter drückt. Bei Aufstellpools gibt es drei Kategorien:
Kartuschenfilter (Intex/Bestway Basismodelle): Die mitgelieferten kleinen Kartuschenfilter ziehen 40 bis 90 Watt. Klingt wenig, aber sie schaffen nur 2.000 bis 3.800 Liter pro Stunde. Für einen 15.000-Liter-Pool brauchst du damit rechnerisch 4 bis 7,5 Stunden für einen Durchlauf. Tagesverbrauch: 0,3 bis 0,7 kWh. Das Balkonkraftwerk deckt das nebenbei ab.
Sandfilteranlagen (die sinnvolle Aufrüstung): Wer seinen Aufstellpool ernst nimmt, tauscht den Kartuschenfilter gegen eine Sandfilteranlage. Intex Krystal Clear, Bestway Flowclear oder Steinbach Speed Clean schaffen 4.000 bis 10.000 Liter pro Stunde bei 250 bis 550 Watt. Tagesverbrauch bei 8 Stunden Laufzeit: 2 bis 4,4 kWh.
Variable Sandfilter mit Frequenzumrichter: Die Königsklasse. Pumpen wie die Steinbach Inverter oder vergleichbare Modelle regeln ihre Drehzahl und damit den Verbrauch stufenlos. Bei niedriger Drehzahl (Nachtmodus, Grundfilterung) ziehen sie 100 bis 200 Watt, bei Hochleistung 400 bis 550 Watt. Der Tagesverbrauch sinkt auf 1 bis 3 kWh. In Kombination mit einem Balkonkraftwerk sind sie ideal, weil sie sich an die schwankende Solarproduktion anpassen lassen.
Salzwasseranlage: Sauberes Wasser, mehr Strom
Eine Salzwasseranlage erzeugt durch Elektrolyse Chlor direkt im Wasser. Kein Tabletten-Nachkaufen, kein Chlorgeruch, und das Wasser fühlt sich weicher an. Der Haken: Die Elektrolysezelle braucht Strom.
Typische Salzanlagen für Aufstellpools (Intex Krystal Clear, Steinbach, Bestway) ziehen 50 bis 150 Watt während der Filterlaufzeit. Bei 8 Stunden Betrieb am Tag kommen 0,4 bis 1,2 kWh dazu. Zusammen mit der Sandfilteranlage bist du bei 2,5 bis 5,6 kWh pro Tag.
Über eine Saison von 150 Tagen: 375 bis 840 kWh. Bei 32 Cent pro kWh sind das 120 bis 270 Euro. Das ist die Stromrechnung, die die meisten Poolbesitzer erst im Herbst bemerken.
Pool-Wärmepumpe: Der Luxus-Verbraucher
Aufstellpools verlieren jede Nacht 1 bis 3 Grad. Ohne Heizung ist Schluss mit Baden, sobald es nachts unter 15 Grad abkühlt. Eine Pool-Wärmepumpe löst das Problem, ist aber der mit Abstand größte Stromverbraucher am Pool.
Mini-Wärmepumpen für Aufstellpools (Intex, Steinbach, Bestway, 2 bis 5 kW Heizleistung) ziehen 400 bis 1.200 Watt elektrisch. Der COP liegt bei 4 bis 6: Für 1 kWh Strom bekommst du 4 bis 6 kWh Wärme. Um einen 20.000-Liter-Pool um 3 Grad aufzuheizen, brauchst du rund 7 kWh Wärme, also bei COP 5 etwa 1,4 kWh Strom.
Aber: Die Wärmepumpe muss nicht nur aufheizen, sondern die Temperatur halten. An einem bewölkten Tag mit Wind verliert der Pool trotz Abdeckung 2 bis 4 Grad. Die Wärmepumpe läuft dann 4 bis 8 Stunden bei 600 bis 1.200 Watt. Tagesverbrauch: 2,4 bis 9,6 kWh.
Was das Balkonkraftwerk davon abdeckt
Ein 800-Watt-System produziert im Sommer 3,5 bis 5 kWh pro Tag. Verteilen wir das auf die Pool-Verbraucher:
Nur Filterpumpe plus Salzanlage (2,5 bis 5,6 kWh/Tag): Solare Deckung 60 bis 100 Prozent. An sonnigen Tagen läuft der Pool komplett solar. An bewölkten Tagen deckst du immer noch die Hälfte.
Filterpumpe plus Salzanlage plus Wärmepumpe (5 bis 15 kWh/Tag): Solare Deckung 25 bis 70 Prozent. Die Wärmepumpe sprengt die BKW-Kapazität, aber jede solar erzeugte kWh spart 32 Cent.
Die Saisonrechnung
Filterpumpe plus Salzanlage, 150 Tage, 3 kWh/Tag im Schnitt = 450 kWh. Davon solar gedeckt (70 Prozent): 315 kWh. Ersparnis: 101 Euro.
Mit Wärmepumpe zusätzlich: 800 bis 1.200 kWh Gesamtverbrauch. Solar gedeckt (40 Prozent): 320 bis 480 kWh. Ersparnis: 102 bis 154 Euro.
Die 400 bis 600 Euro fürs Balkonkraftwerk hast du in 3 bis 5 Pool-Saisons wieder drin, allein über den Pool-Strom.
Praxis: So holst du das Maximum raus
Filterlaufzeit auf Sonnenstunden legen
Der wichtigste Hebel ist simpel: Stell die Zeitschaltuhr der Filterpumpe auf 9 bis 17 Uhr statt auf 6 bis 14 Uhr oder über Nacht. So fällt die Pumplaufzeit maximal mit der Solarproduktion zusammen.
Noch besser: Zwei Filterphasen. 10 bis 14 Uhr (Kernsonnenzeit, Hochleistung) und 16 bis 18 Uhr (Nachmittag, Restreinigung). Die Mittagspause dazwischen lässt dem Balkonkraftwerk Luft für den Haushalt.
Smarte Steuerung mit Shelly oder Zeitschaltuhr
Eine smarte Steckdose (Shelly Plug S, 15 Euro) zwischen Steckdose und Pumpe gibt dir volle Kontrolle. Verbrauchsmessung inklusive, Zeitprogramme per App, und in Kombination mit Home Assistant kannst du die Pumpe automatisch starten, wenn das Balkonkraftwerk genug Überschuss liefert.
Für die Pool-Wärmepumpe gilt das Gleiche: Lass sie nur laufen, wenn Solarstrom verfügbar ist. An bewölkten Tagen bleibt sie aus, und du akzeptierst, dass der Pool ein Grad kühler ist. Über die Saison spart das erheblich Strom, ohne dass der Badespaß leidet.
Poolabdeckung: Der unterschätzte Gamechanger
Bevor du über Wärmepumpen nachdenkst: Deck den Pool ab, wenn du nicht drin bist. Eine Solarfolie (30 bis 80 Euro) reduziert den Wärmeverlust um 50 bis 70 Prozent und erwärmt das Wasser tagsüber sogar um 2 bis 5 Grad. Das ist mehr, als die meisten kleinen Wärmepumpen nachts verlieren. Mit Solarfolie brauchst du die Wärmepumpe nur noch an besonders kühlen Tagen.
Kabel und Sicherheit im Garten
Wenn der Pool 20 Meter vom Haus steht, brauchst du ein ordentliches Kabel. Erdkabel (NYY-J 3x1,5 oder 3x2,5 mm²) in einem Kabelschutzrohr, frostsicher in 60 bis 80 cm Tiefe verlegt. Keine fliegenden Verlängerungskabel quer über den Rasen. Ein FI-Schutzschalter am Stromkreis ist bei Poolbetrieb Pflicht, nicht Kür. Wasser und Strom sind eine Kombination, bei der du keine Kompromisse machen willst.
Gartenteich: Ein anderes Thema
Gartenteiche haben einen fundamental anderen Bedarf als Pools. Ein kleiner Zierteich mit Bachlauf braucht eine 10- bis 50-Watt-Pumpe, die auch direkt über ein kleines Solarpanel laufen kann - ganz ohne Balkonkraftwerk und Hausnetz. Für Koiteiche mit professioneller Filtertechnik (300 bis 800 Watt, 24/7) ist das Balkonkraftwerk eine willkommene Entlastung, deckt aber bei weitem nicht den gesamten Bedarf.
Für die meisten Leser mit Aufstellpool im Garten ist der Pool-Strom aber das relevante Thema. Und da ist die Botschaft eindeutig: Ein Balkonkraftwerk und ein Aufstellpool passen hervorragend zusammen. Die Saison ist identisch, die Verbrauchsmuster sind ideal für Solar, und die Amortisation geht schneller als bei fast jeder anderen Anwendung. Wenn du ohnehin über ein Balkonkraftwerk nachdenkst und einen Pool im Garten hast, ist die Entscheidung eigentlich schon gefallen.