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Einspeisevergütung für Balkonkraftwerke: Lohnt sich das?

Einspeisevergütung fürs Balkonkraftwerk: Wie viel Geld realistisch drin ist, welcher Aufwand dahintersteckt und warum Eigenverbrauch fast immer die bessere Wahl ist.

    Einspeisevergütung für Balkonkraftwerke: Lohnt sich das?

    Ja, auch für Balkonkraftwerke gibt es eine Einspeisevergütung. Das EEG garantiert jedem Betreiber einer Solaranlage das Recht, überschüssigen Strom gegen Vergütung ins Netz einzuspeisen. Die spannendere Frage ist aber nicht, ob du eine Vergütung bekommst, sondern ob sie sich lohnt. Und hier wird es ehrlich: Für die allermeisten Balkonkraftwerk-Betreiber lautet die Antwort Nein. Warum das so ist und was die Alternativen sind, rechnen wir hier durch.

    TL;DR

    • Die Einspeisevergütung für kleine Anlagen liegt aktuell bei rund 7,9 Cent/kWh (Stand März 2026)
    • Ein 800-Watt-Balkonkraftwerk speist realistisch 150 bis 400 kWh pro Jahr ein, das sind 12 bis 32 Euro
    • Die jährlichen Messkosten für den Zweirichtungszähler (ca. 20 Euro) fressen den Großteil der Vergütung auf
    • Eigenverbrauch spart 30 bis 40 Cent pro kWh, Einspeisung bringt nur 7,9 Cent - Eigenverbrauch ist fünfmal wertvoller
    • Die meisten Betreiber verzichten bewusst auf die Vergütung und setzen auf maximalen Eigenverbrauch

    Wie die Einspeisevergütung funktioniert

    Grundsätzlich funktioniert die Einspeisevergütung so: Jede Kilowattstunde Strom, die du ins öffentliche Netz einspeist, wird dir vom Netzbetreiber vergütet. Der Vergütungssatz wird zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme deiner Anlage festgelegt und gilt dann 20 Jahre lang plus das laufende Jahr. Das heißt: Wenn du heute dein Balkonkraftwerk in Betrieb nimmst, bekommst du für die nächsten 20 Jahre einen festen Betrag pro eingespeiste Kilowattstunde.

    Für Anlagen unter 10 kWp (und dein Balkonkraftwerk mit maximal 2 kWp fällt definitiv darunter) gibt es zwei Optionen:

    Überschusseinspeisung: Du verbrauchst deinen Solarstrom selbst und speist nur den Überschuss ein. Vergütungssatz aktuell: rund 7,9 Cent/kWh.

    Volleinspeisung: Du speist den gesamten erzeugten Strom ins Netz ein und verbrauchst nichts selbst. Vergütungssatz aktuell: rund 12,6 Cent/kWh.

    Die Volleinspeisung klingt erst mal attraktiver, aber sie macht bei Balkonkraftwerken keinen Sinn. Du müsstest den Strom komplett einspeisen und gleichzeitig teuren Netzstrom für deinen eigenen Verbrauch kaufen. Das ist ein Minusgeschäft, denn 12,6 Cent Vergütung sind immer weniger als 30 bis 40 Cent Netzstromkosten. Überschusseinspeisung mit maximaler Eigenverbrauchsquote ist die einzig sinnvolle Option. Mit einem Batteriespeicher lässt sich der Eigenverbrauch weiter steigern.

    Was realistisch an Einspeisung zusammenkommt

    Bevor wir rechnen, müssen wir klären, wie viel Strom ein Balkonkraftwerk überhaupt einspeist. Das hängt von zwei Faktoren ab: der Gesamtproduktion und deinem Eigenverbrauchsanteil.

    Gesamtproduktion

    Ein 800-Watt-Balkonkraftwerk (800 W Wechselrichter, 800 bis 2.000 Wp Modulleistung) erzeugt je nach Standort, Ausrichtung und Verschattung zwischen 600 und 1.000 kWh pro Jahr. Ein typischer Wert für Deutschland bei Südausrichtung ist 800 kWh.

    Eigenverbrauchsanteil

    Der Eigenverbrauchsanteil gibt an, wie viel des erzeugten Stroms du selbst verbrauchst. Je höher dieser Anteil, desto weniger speist du ein. Bei einem durchschnittlichen Haushalt mit zwei Personen und einem Grundverbrauch tagsüber (Kühlschrank, Router, Standby-Geräte) liegt der Eigenverbrauchsanteil eines Balkonkraftwerks ohne Speicher bei etwa 50 bis 70 Prozent.

    Wenn du gezielt tagsüber Waschmaschine, Spülmaschine und andere Großverbraucher laufen lässt, kannst du den Eigenverbrauchsanteil auf 70 bis 85 Prozent steigern. Mit einem Speicher sind sogar 80 bis 95 Prozent drin.

    Was eingespeist wird

    Rechnen wir mit dem typischen Szenario: 800 kWh Jahresproduktion, 65 Prozent Eigenverbrauch. Dann verbrauchst du 520 kWh selbst und speist 280 kWh ein.

    Im besten Fall (bewusster Verbrauch, hohe Eigenverbrauchsquote von 80 Prozent): 160 kWh Einspeisung.

    Im schlechteren Fall (Berufstätige, die tagsüber nicht zu Hause sind, 50 Prozent Eigenverbrauch): 400 kWh Einspeisung.

    Die Beispielrechnung

    Jetzt wird es konkret. Drei Szenarien:

    Szenario 1: Typischer Haushalt

    • Produktion: 800 kWh/Jahr
    • Eigenverbrauch: 65 % = 520 kWh
    • Einspeisung: 280 kWh
    • Vergütung: 280 × 0,079 € = 22,12 €/Jahr
    • Messkosten Zweirichtungszähler: ca. 20 €/Jahr
    • Netto-Ertrag aus Vergütung: 2,12 €/Jahr
    • Zusätzlicher bürokratischer Aufwand: Einspeiseabrechnung, Meldungen

    Zwei Euro und zwölf Cent. Pro Jahr. Dafür musst du eine Einspeiseabrechnung mit dem Netzbetreiber führen und dich um die Meldepflichten kümmern. Das ist der Gegenwert einer halben Butterbrezel.

    Szenario 2: Viel Einspeisung

    • Produktion: 800 kWh/Jahr
    • Eigenverbrauch: 50 % = 400 kWh
    • Einspeisung: 400 kWh
    • Vergütung: 400 × 0,079 € = 31,60 €/Jahr
    • Messkosten: ca. 20 €/Jahr
    • Netto-Ertrag: 11,60 €/Jahr

    Elf Euro und sechzig Cent. Schon besser, aber immer noch kein Betrag, für den sich der bürokratische Aufwand lohnt.

    Szenario 3: Hoher Eigenverbrauch

    • Produktion: 800 kWh/Jahr
    • Eigenverbrauch: 80 % = 640 kWh
    • Einspeisung: 160 kWh
    • Vergütung: 160 × 0,079 € = 12,64 €/Jahr
    • Messkosten: ca. 20 €/Jahr
    • Netto-Ertrag: -7,36 €/Jahr

    Minus sieben Euro. Du zahlst drauf. Die Messkosten übersteigen die Vergütung. Das ist der Punkt, an dem die Einspeisevergütung nicht nur bürokratisch, sondern auch finanziell unsinnig wird.

    Die Gegenseite: Was dir der Eigenverbrauch bringt

    Vergleichen wir die Einspeisevergütung mit dem Eigenverbrauch, um die Dimensionen klar zu machen.

    Bei 520 kWh Eigenverbrauch (Szenario 1) und einem Strompreis von 35 Cent/kWh sparst du: 520 × 0,35 € = 182 €/Jahr.

    Bei 640 kWh Eigenverbrauch (Szenario 3): 640 × 0,35 € = 224 €/Jahr.

    Dein Eigenverbrauch bringt dir 182 bis 224 Euro im Jahr. Die Einspeisevergütung bringt dir 2 bis 12 Euro netto (oder sogar minus 7 Euro). Der Eigenverbrauch ist nicht fünfmal, sondern fünfzigmal wertvoller als die Einspeisevergütung.

    Die Botschaft ist klar: Fokussiere dich auf den Eigenverbrauch, nicht auf die Einspeisung.

    Wie du die Vergütung bekommst (falls du es trotzdem willst)

    Solltest du dich trotzdem für die Einspeisevergütung entscheiden, hier der Ablauf:

    Zweirichtungszähler

    Du brauchst einen Zweirichtungszähler, der sowohl den bezogenen als auch den eingespeisten Strom misst. Wenn du seit dem Solarpaket I einen modernen Zähler bekommen hast, ist das wahrscheinlich bereits ein Zweirichtungszähler. Wenn nicht, muss der Messstellenbetreiber ihn auf seine Kosten einbauen. Die Messkosten (ca. 20 Euro pro Jahr) zahlst allerdings du.

    Anmeldung beim Netzbetreiber

    Für die Einspeisevergütung musst du dich bei deinem Netzbetreiber anmelden, zusätzlich zur Registrierung im Marktstammdatenregister. Der Netzbetreiber richtet dann die Abrechnung ein.

    Jährliche Abrechnung

    Einmal im Jahr liest der Netzbetreiber deinen Zähler ab und rechnet die eingespeisten Kilowattstunden ab. Du bekommst den Vergütungsbetrag überwiesen.

    Steuerlich unkompliziert

    Die Einnahmen aus der Einspeisevergütung sind seit 2022 einkommensteuerfrei (für Anlagen bis 30 kWp). Du musst sie nicht in der Steuererklärung angeben.

    Warum die meisten verzichten

    Die Zahlen sprechen für sich: Bei der überwiegenden Mehrheit der Balkonkraftwerk-Betreiber übersteigt der bürokratische Aufwand den finanziellen Nutzen der Einspeisevergütung. Die wenigen Euro, die am Ende bleiben, stehen in keinem Verhältnis zu Abrechnungen, Meldungen und dem generellen Hin und Her mit dem Netzbetreiber.

    Der Verzicht auf die Einspeisevergütung ist einfach: Bei der Registrierung im Marktstammdatenregister gibst du an, dass du keine Vergütung in Anspruch nimmst. Dein überschüssiger Strom fließt dann kostenlos ins Netz. Ja, du verschenkst damit Strom. Aber der Gegenwert dieses verschenkten Stroms liegt bei 10 bis 30 Euro im Jahr, und du sparst dir dafür jeglichen Abrechnungsaufwand.

    Und ganz ehrlich: Dein überschüssiger Strom geht ja nicht verloren. Er fließt ins Netz und wird von deinen Nachbarn verbraucht. Du machst damit die Energiewende ein kleines Stück besser, auch ohne Vergütung.

    Wie du stattdessen mehr rausholen kannst

    Wenn dir die Einspeisevergütung zu gering ist, gibt es bessere Wege, den Ertrag deines Balkonkraftwerks zu maximieren.

    Eigenverbrauch steigern

    Laufen Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner mittags statt abends, verbrauchst du mehr Solarstrom direkt. Zeitschaltuhren oder smarte Steckdosen können Geräte automatisch dann einschalten, wenn die Produktion hoch ist. Das bringt bei einem Strompreis von 35 Cent deutlich mehr als die 7,9 Cent Vergütung.

    Batteriespeicher

    Ein kleiner Speicher (1 bis 2 kWh) kann den Eigenverbrauchsanteil von 65 auf 85 bis 90 Prozent steigern. Das bringt zusätzlich 50 bis 80 Euro Ersparnis pro Jahr. Die Kosten für den Speicher (300 bis 800 Euro) amortisieren sich je nach Modell in 4 bis 10 Jahren. Das ist wirtschaftlich sinnvoller als die Einspeisevergütung.

    Dynamischer Stromtarif

    Mit einem dynamischen Stromtarif zahlst du für Netzstrom je nach Tageszeit unterschiedlich viel. Wenn du deinen Eigenverbrauch in die teuren Stunden legst und den billigen Netzstrom in den günstigen Stunden nutzt, maximierst du die Ersparnis weiter.

    Wie sich die Vergütung entwickelt

    Die EEG-Einspeisevergütung sinkt kontinuierlich. Die Degression beträgt derzeit 1 Prozent pro Halbjahr. Das bedeutet: Wenn du heute 7,9 Cent bekommst, bekommt jemand, der in einem Jahr sein Balkonkraftwerk in Betrieb nimmt, nur noch 7,7 Cent.

    Für bestehende Anlagen ist die Degression irrelevant, weil der Vergütungssatz für 20 Jahre festgeschrieben wird. Aber die fallende Tendenz zeigt: Die Einspeisevergütung wird für Balkonkraftwerke immer unattraktiver, während der Eigenverbrauch durch steigende Strompreise immer wertvoller wird.

    Die Schere geht auseinander: 2020 lag die Vergütung noch bei 9,7 Cent/kWh und der Strompreis bei etwa 31 Cent. Heute sind es 7,9 Cent Vergütung und 35 Cent Strompreis. Der Eigenverbrauch ist heute relativ zum Strompreis deutlich wertvoller als vor fünf Jahren.

    Und was, wenn sich die Regeln ändern?

    Es gibt Diskussionen über alternative Modelle zur Einspeisevergütung, etwa die sogenannte "Prosumer-Vergütung", bei der Erzeuger und Verbraucher flexibler miteinander handeln können. Auch Peer-to-Peer-Energiehandel und lokale Energiegemeinschaften sind Themen, die in der EU diskutiert werden.

    Ob und wann solche Modelle für Balkonkraftwerke relevant werden, ist noch offen. Bis dahin gilt: Eigenverbrauch maximieren, Einspeisung als nettes Nebenprodukt betrachten und auf die Vergütung verzichten, wenn der Aufwand den Ertrag übersteigt.

    Die ehrlichste Zusammenfassung: Die Einspeisevergütung für Balkonkraftwerke existiert, ist dein gutes Recht und funktioniert technisch einwandfrei. Aber sie bringt dir so wenig Geld, dass du deine Zeit besser damit verbringst, die Waschmaschine mittags statt abends laufen zu lassen. Der Effekt auf deinen Geldbeutel ist größer.