Umzug mit dem Balkonkraftwerk: So nimmst du deine Solaranlage mit
Der Mietvertrag ist gekündigt, die neue Wohnung gefunden, und auf dem Balkon hängt dein Balkonkraftwerk. Mitnehmen oder dalassen? Wenn du es mitnimmst: Wie baust du es sicher ab, transportierst es unbeschädigt und meldest es am neuen Standort korrekt an? Und wenn du es dalässt: Kannst du es an den Nachmieter verkaufen? Dieser Artikel begleitet dich durch den gesamten Prozess, von der ersten Schraube bis zur letzten Registrierung.
TL;DR
- Ein Balkonkraftwerk gehört dir und darf beim Umzug mitgenommen werden, auch wenn der Vermieter die Installation genehmigt hat.
- Demontage in umgekehrter Reihenfolge wie die Montage: Erst AC-Stecker ziehen, dann DC-Verbindungen trennen, dann Module von der Halterung lösen.
- Module einzeln transportieren, hochkant, mit Polsterung zwischen den Glasflächen - niemals flach stapeln.
- Im Marktstammdatenregister den Standort innerhalb eines Monats aktualisieren, bei Netzgebietswechsel den neuen Netzbetreiber eintragen.
- Verkauf an den Nachmieter ist eine Option, aber kläre den Preis realistisch - gebrauchte Balkonkraftwerke erzielen 40 bis 60 Prozent des Neupreises.
Mitnehmen oder dalassen? Die Entscheidung
Bevor du mit dem Schraubenschlüssel loslegst, überleg kurz, ob das Mitnehmen überhaupt sinnvoll ist. Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab.
Rechtlich ist die Lage klar: Das Balkonkraftwerk ist dein Eigentum, auch wenn es an der Mietwohnung montiert ist. Du hast das Recht und sogar die Pflicht, es beim Auszug mitzunehmen und den Originalzustand wiederherzustellen, es sei denn, der Vermieter erlaubt dir schriftlich, es zu belassen. Das gilt auch für die Halterung, sofern du sie selbst gekauft und montiert hast.
Wirtschaftlich lohnt sich das Mitnehmen fast immer. Ein Balkonkraftwerk mit zwei 400-Watt-Modulen und Mikrowechselrichter hat einen Neuwert von 400 bis 800 Euro. Die Demontage kostet dich eine Stunde Arbeit, der Transport ein paar Decken, und die Neumontage wieder eine Stunde. Selbst wenn du eine neue Halterung für den neuen Balkon brauchst (80 bis 150 Euro), bist du immer noch deutlich günstiger als ein Neukauf.
Es gibt allerdings Fälle, in denen das Dalassen sinnvoll ist. Wenn die neue Wohnung keinen geeigneten Standort hat (Nordbalkone, komplett verschattete Terrasse), wenn du ins Ausland ziehst und der Transport unverhältnismäßig teuer wäre, oder wenn der Nachmieter ein gutes Angebot macht.
Vor der Demontage: Vorbereitung
Ein paar Dinge solltest du erledigen, bevor du den ersten Stecker ziehst.
Fotos machen. Dokumentiere den Montagezustand mit Fotos, bevor du irgendetwas anfasst. Das hilft bei der Neumontage am neuen Standort und dient als Nachweis, falls der Vermieter nach dem Auszug behauptet, du hättest Schäden hinterlassen.
Ertragsdaten sichern. Lade die Ertragsdaten aus der Monitoring-App herunter oder mache Screenshots der Jahresübersichten. Manche Apps erlauben den Export als CSV-Datei. Nach dem Umzug konfigurierst du die App am neuen Standort neu, und die historischen Daten des alten Standorts gehen dabei möglicherweise verloren.
Werkzeug bereitlegen. Für die Demontage brauchst du in der Regel: Schraubenschlüssel (10er, 13er), MC4-Entriegelungswerkzeug, gegebenenfalls einen Akkuschrauber, Kabelbinder-Schneider und Transportmaterial (Decken, Karton, Spanngurte).
Wetter prüfen. Demontage bei strömendem Regen oder starkem Wind ist keine gute Idee. Regen macht alles rutschig, Wind kann ein lose gehaltenes Modul wie ein Segel erfassen. Wähle einen trockenen, windstillen Tag.
Demontage Schritt für Schritt
Die Demontage läuft in der umgekehrten Reihenfolge der Montage. Das Wichtigste: Sicherheit zuerst, und die Reihenfolge einhalten.
Schritt 1: AC-Verbindung trennen. Ziehe den Schuko-Stecker (oder Wieland-Stecker) aus der Steckdose. Damit ist der Wechselrichter vom Netz getrennt. Warte 30 Sekunden, bis die internen Kondensatoren entladen sind.
Schritt 2: DC-Verbindungen trennen. Jetzt die MC4-Stecker zwischen Modulen und Wechselrichter lösen. Wichtig: Module erzeugen bei Licht immer Spannung, auch wenn der Wechselrichter abgetrennt ist. Bei zwei Modulen in Reihe können das 60 bis 80 Volt Gleichspannung sein. Das ist nicht lebensgefährlich, aber unangenehm. Am sichersten trennst du die MC4-Verbindungen bei bedecktem Himmel oder indem du die Module vorher mit einer Decke abdeckst. Verwende das MC4-Entriegelungswerkzeug, damit du die Stecker sauber trennst, ohne die Verriegelung zu beschädigen.
Schritt 3: Wechselrichter demontieren. Löse die Befestigungsschrauben des Wechselrichters. Bei Mikrowechselrichtern, die auf der Rückseite des Moduls montiert sind, kannst du das gleichzeitig mit der Moduldemontage machen. Lege den Wechselrichter in eine gepolsterte Box oder wickle ihn in Luftpolsterfolie.
Schritt 4: Module von der Halterung lösen. Löse die Modulklemmen oder Schrauben, die die Module in der Halterung halten. Jetzt wird es zweimanig: Ein Modul wiegt 20 bis 25 kg und hat eine Fläche von rund 1,7 Quadratmetern. Bei Wind ist das wie ein Segel. Lass dir helfen. Eine Person hält das Modul, die andere löst die letzten Schrauben.
Schritt 5: Halterung demontieren. Löse die Halterung vom Geländer, der Wand oder dem Dach. Prüfe, ob die Montagepunkte Spuren hinterlassen haben (Bohrlöcher, Kratzer im Geländer). Wenn ja, bessere sie aus, bevor der Vermieter das sieht. Bohrlöcher in der Wand oder im Boden kannst du mit Schnellzement oder Dübelmasse schließen, Kratzer am Geländer mit Metallfarbe überstreichen.
Transport: So kommen deine Module heil an
Solarmodule sind robuster, als man denkt, aber sie haben eine entscheidende Schwachstelle: Punktbelastung. Gleichmäßig verteilter Druck (wie Schnee) ist kein Problem, aber ein Stoß auf eine kleine Fläche (wie beim Anstoßen an eine Türkante) kann Mikrorisse in den Zellen verursachen.
Transportiere Module immer hochkant, niemals flach liegend. Bei flach gestapelten Modulen reicht ein kleiner Stein oder eine Unebenheit unter dem unteren Modul, und das Gewicht der oberen Module drückt eine Delle in die Zellen.
Zwischen zwei Modulen (oder zwischen Modul und anderer Ladung) legst du eine Lage Karton oder eine dicke Decke als Polster. Die Glasoberfläche darf nicht direkt an harte Gegenstände stoßen.
Im Auto stellst du die Module an eine Seitenwand oder zwischen Rücksitz und Vordersitz, mit weicher Unterlage darunter. Fixiere sie mit Spanngurten, damit sie beim Bremsen nicht verrutschen. In einem Kombi passen zwei Module hochkant hintereinander, in einem normalen PKW wird es eng. Dann lieber ein Mal mehr fahren oder einen Transporter mieten.
Bei längeren Transportwegen oder wenn du die Module verschickst: Die Originalverpackung ist ideal. Wenn die nicht mehr vorhanden ist, improvisiere mit Kartonecken, Luftpolsterfolie und Klebeband. Die Kanten und Ecken des Modulrahmens sind besonders empfindlich.
Den Wechselrichter und die Kabel transportierst du separat in einer Box. Elektronik ist empfindlicher gegen Stöße als Module, also gut polstern.
Ummeldung im Marktstammdatenregister
Nach dem Umzug musst du den Standort deines Balkonkraftwerks im Marktstammdatenregister (MaStR) aktualisieren. Die Frist beträgt einen Monat nach der Inbetriebnahme am neuen Standort.
Logge dich auf marktstammdatenregister.de ein und gehe zu deiner registrierten Anlage. Dort aktualisierst du die Standortdaten (neue Adresse, neue Geokoordinaten). Das Inbetriebnahmedatum bleibt das ursprüngliche, es ändert sich nur der Standort.
Wenn der neue Standort in einem anderen Netzgebiet liegt als der alte (zum Beispiel bei einem Umzug von München nach Hamburg), musst du zusätzlich den Netzbetreiber aktualisieren. Im MaStR trägst du den neuen Netzbetreiber ein und löschst den alten. Den zuständigen Netzbetreiber für deine neue Adresse findest du über die Störungsauskunft der Bundesnetzagentur oder einfach auf deiner Stromrechnung.
Eine separate Anmeldung beim Netzbetreiber ist seit dem Solarpaket I nicht mehr erforderlich. Die Aktualisierung im MaStR reicht.
Falls du das Balkonkraftwerk an den Nachmieter verkaufst statt es mitzunehmen, muss der neue Betreiber einen Betreiberwechsel im MaStR durchführen. Das geht ebenfalls online: Du meldest den Betreiberwechsel an, der neue Betreiber registriert sich im MaStR und übernimmt die Anlage.
Neuinstallation am neuen Wohnort
Am neuen Standort beginnt das Spiel von vorne, mit dem Vorteil, dass du jetzt Erfahrung hast.
Prüfe zuerst den neuen Balkon oder die Terrasse: Ausrichtung, Verschattung, Geländertyp, Steckdosenverfügbarkeit. Vielleicht passt die alte Halterung, vielleicht brauchst du eine neue. Balkongeländer gibt es in diversen Ausführungen (rund, eckig, Glas, Beton), und nicht jede Halterung passt auf jeden Geländertyp.
Falls du den Vermieter der neuen Wohnung informieren musst: Seit dem Solarpaket I von Mai 2024 haben Mieter einen gesetzlichen Anspruch auf die Erlaubnis zur Installation eines Balkonkraftwerks. Der Vermieter kann die Zustimmung nur noch aus triftigem Grund verweigern. In einer WEG braucht es einen Beschluss der Eigentümerversammlung, aber auch hier kann die Zustimmung seit der Gesetzesänderung nicht mehr ohne Weiteres verweigert werden.
Bei der Neuinstallation hast du die Chance, Fehler zu korrigieren, die du beim ersten Mal gemacht hast. Vielleicht war der Neigungswinkel nicht optimal, vielleicht gab es eine Verschattung, die du jetzt vermeiden kannst. Nutze die Erfahrungswerte von deinem alten Standort, um am neuen Standort alles richtig zu machen.
Verkauf an den Nachmieter: Die Alternative
Wenn du das Balkonkraftwerk nicht mitnehmen willst oder kannst, ist der Verkauf an den Nachmieter eine elegante Lösung. Beide Seiten profitieren: Du sparst dir Demontage und Transport, der Nachmieter bekommt eine funktionsfähige Anlage günstiger als im Neukauf.
Beim Preis ist Realismus gefragt. Gebrauchte Balkonkraftwerke erzielen je nach Alter und Zustand 40 bis 60 Prozent des aktuellen Neupreises. Bedenke, dass die Modulpreise seit 2023 stark gefallen sind. Ein Set, das du 2023 für 700 Euro gekauft hast, bekommst du 2026 neu für 350 bis 400 Euro. Der Gebrauchtpreis liegt dann eher bei 150 bis 200 Euro.
Wenn du an den Nachmieter verkaufst, mache einen schriftlichen Kaufvertrag (ein formloses Schreiben reicht), in dem ihr den Kaufpreis, den Zustand der Anlage und die Übernahme von Garantieansprüchen regelt. Übergib die Originalrechnungen und Garantieunterlagen, damit der neue Besitzer im Garantiefall seine Ansprüche geltend machen kann.
Vergiss nicht den Betreiberwechsel im Marktstammdatenregister. Als bisheriger Betreiber meldest du den Wechsel, und der neue Betreiber registriert sich und übernimmt die Anlage. Solange der Betreiberwechsel nicht im MaStR eingetragen ist, bist du formal noch der Betreiber und trägst die damit verbundenen Pflichten.
Was du dem neuen Balkon nicht zumuten solltest
Nicht jeder Balkon ist für ein Balkonkraftwerk geeignet, und wenn der neue Balkon deutlich schlechter ist als der alte, kann es sinnvoll sein, das Balkonkraftwerk vorübergehend einzulagern, statt es an einem ungünstigen Standort zu betreiben.
Ein Nordbalkon ohne jede Morgend- oder Abendsonne liefert so wenig Ertrag, dass sich die Montage kaum lohnt. Ein komplett verschatteter Balkon (hohe Bäume, Nachbarhäuser) ist ähnlich ungünstig. In solchen Fällen lager das System ein und warte auf die nächste Wohnung mit besseren Bedingungen.
Für die Einlagerung: Module trocken und hochkant lagern, am besten in der Originalverpackung oder mit Kartonschutz. Wechselrichter und Kabel separat aufbewahren. Ein kühler, trockener Keller ist ideal. Feuchtigkeit und Frost sind den Komponenten auf Dauer nicht zuträglich, obwohl sie im Betrieb dafür ausgelegt sind.
Ein Umzug mit dem Balkonkraftwerk ist kein Hexenwerk. Eine Stunde für die Demontage, ein paar Decken für den Transport, eine Stunde für die Neumontage und 20 Minuten für die Ummeldung im MaStR. Dafür bekommst du am neuen Wohnort sofort eigenen Solarstrom, statt alles neu kaufen zu müssen.