WLAN-Steckdosen mit Verbrauchsmessung: Shelly Plug S und Alternativen
Du willst wissen, was dein Balkonkraftwerk tatsächlich liefert, ohne dich durch Cloud-Apps oder Open-Source-Projekte zu wühlen? Dann ist eine WLAN-Steckdose mit Leistungsmessung dein kürzester Weg zum Monitoring. Einstecken, App einrichten, fertig. Für 15-25 Euro bekommst du eine herstellerunabhängige Messung deiner Einspeisung, und das in unter zehn Minuten.
TL;DR
- Eine WLAN-Messsteckdose zwischen Wechselrichter und Haussteckdose misst die tatsächliche Einspeiseleistung unabhängig vom Hersteller
- Shelly Plug S Gen3 (ca. 20 Euro) ist der Klassiker: präzise Messung, offene API, integrierbar in Home Assistant und andere Systeme
- TP-Link Tapo P110 (ca. 15 Euro) ist günstiger, aber stärker an die Hersteller-Cloud gebunden
- AVM Fritz!DECT 210 (ca. 40 Euro) funktioniert ohne Cloud über die Fritzbox, ist aber teurer
- Alle Messsteckdosen sind nur für den Innenbereich geeignet, die Kabelführung muss nach innen gehen
Das Prinzip: Messen, wo der Strom fließt
Das Konzept ist simpel: Dein Wechselrichter wandelt den Gleichstrom der Module in Wechselstrom um und gibt ihn über ein Kabel an eine Steckdose ab. Wenn du zwischen dieses Kabel und die Steckdose eine Messsteckdose setzt, misst diese den gesamten Strom, der vom Wechselrichter in dein Hausnetz fließt.
Die Messsteckdose erfasst dabei die aktuelle Leistung in Watt und summiert die Energie über die Zeit in Kilowattstunden auf. Beides siehst du in der zugehörigen App auf dem Smartphone. Klingt trivial, ist aber unglaublich nützlich: Du weißt sofort, ob dein Balkonkraftwerk gerade produziert, wie viel es produziert und wie viel Energie über den Tag zusammengekommen ist.
Gegenüber der Wechselrichter-App hat die Messsteckdose einen entscheidenden Vorteil: Sie misst unabhängig. Wenn der Wechselrichter einen Fehler in seiner internen Messung hat (kommt vor), zeigt dir die Steckdose trotzdem den korrekten Wert. Und sie funktioniert mit jedem Wechselrichter, egal ob Hoymiles, Deye, APsystems oder eine No-Name-Marke.
Der Klassiker: Shelly Plug S Gen3
Der Shelly Plug S ist die WLAN-Steckdose, die in praktisch jedem Balkonkraftwerk-Forum empfohlen wird, und das aus guten Gründen.
Was der Shelly Plug S kann
Der Shelly Plug S Gen3 (die aktuelle Generation seit 2024) ist eine kompakte WLAN-Steckdose mit integrierter Leistungsmessung. Er misst die aktuelle Leistung in Watt, die kumulierte Energie in kWh, Spannung und Strom. Die maximale Belastbarkeit liegt bei 2.500 Watt, also weit über dem, was ein Balkonkraftwerk liefert (maximal 800 Watt laut aktueller Regelung).
Die Messgenauigkeit liegt laut Datenblatt bei +/- 1 % der Leistung, was in der Praxis bestätigt wird. Verglichen mit kalibrierten Referenzmessgeräten weichen die Shelly-Werte selten mehr als 2-3 % ab. Für Monitoring-Zwecke ist das mehr als ausreichend.
Einrichtung Schritt für Schritt
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Steckdose vorbereiten: Der Shelly Plug S kommt zwischen die Steckdose und den Wechselrichter-Stecker. Also: Shelly in die Wandsteckdose stecken, Wechselrichter-Kabel in den Shelly stecken.
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Shelly App installieren: Die App gibt es für Android und iOS. Account erstellen (oder ohne Account im lokalen Modus nutzen).
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Gerät hinzufügen: In der App auf "Gerät hinzufügen" tippen. Der Shelly öffnet beim ersten Einschalten einen eigenen WLAN-Hotspot. Die App findet ihn automatisch.
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WLAN konfigurieren: Du gibst die Zugangsdaten deines Heimnetzwerks ein. Der Shelly verbindet sich, und nach 30 Sekunden siehst du die ersten Messwerte.
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Fertig: Ab jetzt zeigt die App die aktuelle Leistung und den kumulierten Tagesertrag. Du kannst Tages-, Wochen- und Monatsauswertungen einsehen.
Die ganze Einrichtung dauert 5-10 Minuten, und du brauchst keinerlei technisches Vorwissen.
Warum der Shelly der Favorit der Community ist
Neben der einfachen Einrichtung und der guten Messgenauigkeit hat der Shelly Plug S drei Eigenschaften, die ihn von der Konkurrenz abheben:
Offene API und lokale Steuerung: Der Shelly kann komplett ohne Cloud betrieben werden. Er hat ein lokales Webinterface, das du über seine IP-Adresse im Browser erreichst. Dort siehst du alle Messwerte und kannst Einstellungen ändern. Für technikaffine Nutzer ist das Gold wert, weil du nicht von der Shelly-Cloud abhängig bist.
MQTT-Unterstützung: Der Shelly spricht MQTT, das gleiche Protokoll, das auch OpenDTU nutzt. Das bedeutet, du kannst die Messdaten direkt an Home Assistant, InfluxDB oder andere Systeme weiterleiten. Ohne Umwege, ohne Cloud.
Community und Firmware-Alternativen: Für den Shelly gibt es alternative Firmwares wie Tasmota, die noch mehr Konfigurationsmöglichkeiten bieten. Das ist für den normalen Betrieb nicht nötig, aber schön zu wissen, dass die Option existiert.
Grenzen des Shelly Plug S
Der Shelly misst nur, was durch ihn durchfließt. Er sagt dir nicht, wie viel von deinem Solarstrom du selbst verbrauchst und wie viel ins Netz geht. Dafür bräuchtest du zusätzlich einen Shelly Pro 3EM am Zählerschrank, der den Gesamt-Stromfluss deines Haushalts misst.
Wichtig: Der Shelly Plug S ist nicht wasserdicht und nur für den Innenbereich zugelassen. Du kannst ihn nicht draußen an der Einspeise-Steckdose verwenden. Das Kabel vom Wechselrichter muss ins Haus geführt werden, und der Shelly sitzt an einer Innensteckdose.
Ein weiterer Punkt: Die Energieaggregation (also das Aufsummieren der Wattwerte über die Zeit zu kWh) passiert teilweise in der Shelly-Cloud, nicht komplett im Gerät selbst. Im lokalen Betrieb ohne Cloud stehen dir die Leistungswerte in Echtzeit zur Verfügung, aber für saubere kWh-Tagessummen ist die Cloud-Anbindung oder eine lokale Integration in Home Assistant sinnvoll.
Die Alternativen: Tapo, Fritz!DECT und Co.
Der Shelly ist nicht die einzige Option. Je nach deinen Anforderungen und deinem bestehenden Smart-Home-Setup können andere Steckdosen besser passen.
TP-Link Tapo P110
Der Tapo P110 ist mit 12-15 Euro die günstigste Messsteckdose mit brauchbarer Genauigkeit. Die Einrichtung über die Tapo-App ist unkompliziert, und die Messwerte sind für den Hausgebrauch ausreichend genau (Abweichung ca. 3-5 % gegenüber Referenzmessgeräten, also etwas schlechter als der Shelly).
Was für den Tapo spricht: Der Preis. Was dagegen spricht: Die Tapo-App ist stark cloud-abhängig, es gibt keine lokale API (ohne Umwege), und die Integration in Smart-Home-Systeme ist eingeschränkter als beim Shelly. Wenn du einfach nur den Tagesertrag in einer App sehen willst und keine weiteren Integrationen planst, ist der Tapo P110 eine gute Wahl.
Es gibt mittlerweile auch den Tapo P115, der eine etwas bessere Messgenauigkeit und Matter-Unterstützung bietet. Preislich liegt er bei 15-18 Euro.
AVM Fritz!DECT 210
Wenn du eine Fritzbox als Router hast, ist die Fritz!DECT 210 eine interessante Option. Diese Steckdose kommuniziert nicht per WLAN, sondern per DECT (dem gleichen Standard, den deine Fritzbox für Schnurlostelefone nutzt) und ist für den Außenbereich zugelassen (IP44).
Das macht sie zur einzigen Messsteckdose in dieser Liste, die du auch draußen an der Einspeise-Steckdose nutzen kannst. Die Messwerte werden direkt in der Fritzbox gespeichert, komplett ohne Cloud. Die Fritz!Home-App zeigt dir Leistung und Energieverbrauch an, und die Fritzbox speichert die Daten lokal.
Die Nachteile: Mit 35-45 Euro ist die Fritz!DECT 210 deutlich teurer als Shelly oder Tapo. Die Messgenauigkeit ist gut, aber die Auswertungsmöglichkeiten in der Fritz!Home-App sind begrenzt. Tagesverläufe werden nur grob dargestellt, und ein Export der Daten ist nur umständlich möglich. Außerdem brauchst du eine Fritzbox, ohne die funktioniert die Steckdose nicht.
Mystrom WiFi Switch
Der Schweizer Anbieter Mystrom bietet WLAN-Steckdosen mit guter Messgenauigkeit und einer offenen REST-API. Die Geräte sind hochwertig verarbeitet, aber mit 30-40 Euro auch teurer als Shelly und Tapo. Interessant für Nutzer, die eine europäische Alternative ohne chinesische Cloud suchen.
Welche Steckdose für wen?
Für die meisten Balkonkraftwerk-Betreiber ist der Shelly Plug S die beste Wahl: gute Messgenauigkeit, offene Schnittstellen, faire Preise und riesige Community. Wenn du keinerlei Smart-Home-Ambitionen hast und einfach nur den Tagesertrag sehen willst, tut es auch der günstigere Tapo P110. Und wenn du eine Fritzbox hast und den Shelly im Außenbereich nutzen müsstest (was nicht geht), ist die Fritz!DECT 210 die Lösung.
Messgenauigkeit im Detail
Wie genau sind diese kleinen Steckdosen eigentlich? Das ist eine berechtigte Frage, denn sie kosten einen Bruchteil professioneller Messgeräte.
Die Kurzantwort: Für Monitoring-Zwecke genau genug, für Abrechnungszwecke nicht. Ein Shelly Plug S weicht typischerweise 1-3 % vom kalibrierten Referenzwert ab. Bei 500 Watt Einspeiseleistung sind das 5-15 Watt Abweichung. Bei der Tagesenergie summiert sich das auf maximal 0,1-0,2 kWh an einem guten Sonnentag. Das ist völlig akzeptabel, wenn du wissen willst, ob dein Balkonkraftwerk funktioniert und grob, wie viel es liefert.
Wo es knifflig wird: Bei sehr niedrigen Leistungen unter 10 Watt sind die Messungen ungenauer, weil die absolute Messauflösung begrenzt ist. In der Morgen- und Abenddämmerung, wenn dein Balkonkraftwerk nur wenige Watt liefert, können die Messwerte stärker schwanken. Für die Gesamtbilanz ist das aber irrelevant, weil in diesen Phasen kaum Energie erzeugt wird.
Ein Tipp: Wenn du die Messgenauigkeit deiner Steckdose prüfen willst, schließe ein Gerät mit bekannter Leistungsaufnahme an, zum Beispiel eine 60-Watt-Glühbirne oder einen Wasserkocher mit bekannter Wattzahl. Weicht der angezeigte Wert mehr als 5 % ab, solltest du das Gerät reklamieren.
Erweiterte Nutzung: Mehr als nur Monitoring
Eine WLAN-Messsteckdose kann mehr als nur messen. Hier ein paar Ideen, wie du mehr aus ihr rausholst.
Eigenverbrauchsoptimierung mit zwei Shellys
Wenn du einen Shelly Plug S an deinem Balkonkraftwerk und einen zweiten an einem größeren Verbraucher (Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler) hast, kannst du über Home Assistant oder die Shelly-Szenen Automationen bauen: "Wenn Solarleistung über 400 Watt, dann schalte den Trockner ein." Das maximiert deinen Eigenverbrauch, weil du die Verbraucher genau dann laufen lässt, wenn die Sonne scheint.
Tages- und Monatsberichte per E-Mail
In der Shelly-App oder über Home Assistant kannst du dir automatische Berichte schicken lassen: "Dein Balkonkraftwerk hat heute 3,2 kWh produziert" als Push-Nachricht am Abend. Oder eine Monatsübersicht als E-Mail. Das hilft, den Überblick zu behalten, ohne täglich in die App schauen zu müssen.
Anomalie-Erkennung
Über Home Assistant kannst du Alarme einrichten: "Wenn die Solarleistung an einem sonnigen Tag um 12 Uhr unter 100 Watt liegt, schicke eine Benachrichtigung." So wirst du sofort informiert, wenn etwas nicht stimmt, statt es nach Wochen zufällig zu bemerken.
Langzeitdaten mit InfluxDB
Über die MQTT-Schnittstelle des Shelly kannst du die Messdaten an InfluxDB weiterleiten und in Grafana visualisieren. So baust du dir eine Langzeitdatenbank auf, die Monats- und Jahresvergleiche ermöglicht. Mehr dazu in den Artikeln zu InfluxDB und Grafana in diesem Cluster.
Shelly Pro 3EM: Der nächste Schritt
Wenn du nicht nur wissen willst, was dein Balkonkraftwerk produziert, sondern auch, wie viel davon du selbst verbrauchst, brauchst du zusätzlich eine Messung am Hausnetz. Der Shelly Pro 3EM ist ein dreiphasiger Energiemesser, der im Zählerschrank installiert wird und den gesamten Stromfluss deines Haushalts erfasst.
In Kombination mit der Messung am Balkonkraftwerk ergibt sich ein vollständiges Bild: Du siehst, wie viel dein Balkonkraftwerk produziert, wie viel du gerade verbrauchst und ob der Solarstrom direkt genutzt wird oder ins Netz fließt. Der Shelly Pro 3EM kostet um die 80-100 Euro und muss von einer Elektrofachkraft im Zählerschrank installiert werden.
Das ist ein Investment, das sich lohnt, wenn du dein Energiemanagement optimieren willst. Aber für den Einstieg ins Monitoring reicht der Shelly Plug S am Wechselrichter vollkommen aus. Fang dort an, und wenn du Lust auf mehr hast, erweiterst du das System.
Die Praxisrealität: Was du erwarten kannst
Nach ein paar Wochen mit einer Messsteckdose am Balkonkraftwerk wirst du ein Gefühl dafür entwickeln, was normale Erträge sind. An einem klaren Sommertag in Süddeutschland liefert ein 800-Wp-System mit Südausrichtung typischerweise 4-5 kWh. An einem bewölkten Wintertag vielleicht 0,5-1 kWh. Diese Referenzwerte im Kopf zu haben, macht das Erkennen von Problemen intuitiv.
Du wirst auch merken, wie stark der Ertrag von Tag zu Tag schwankt, je nach Wetter, Jahreszeit und Tageszeit. Das ist normal und kein Grund zur Sorge. Sorge ist angebracht, wenn ein sonniger Tag plötzlich deutlich weniger liefert als die sonnigen Tage davor. Dann lohnt sich ein Blick auf die Module, die Stecker und die Wechselrichter-LED.
Einrichtung im Detail: Shelly Plug S Gen3
Die Einrichtung ist wirklich einfach, aber ein paar Tipps sparen dir Frust.
Vor dem Einstecken
Prüfe, ob dein WLAN auf 2,4 GHz funkt. Der Shelly unterstützt kein 5-GHz-WLAN. Wenn dein Router beide Bänder unter dem gleichen Netzwerknamen (SSID) vereint, kann es Probleme geben, weil der Shelly versucht, sich ins 5-GHz-Band einzuklinken und scheitert. Lösung: In den Router-Einstellungen entweder getrennte SSIDs für 2,4 und 5 GHz einrichten oder den Shelly über die WPS-Taste verbinden.
Die ersten Messwerte
Nach der Einrichtung zeigt die Shelly-App sofort die aktuelle Leistung. Wenn dein Balkonkraftwerk gerade produziert, siehst du einen Wert zwischen 10 und 800 Watt (je nach Sonneneinstrahlung). Nachts oder bei komplett bedecktem Himmel kann der Wert auf 0 oder sogar leicht negativ sein (Standby-Verbrauch des Wechselrichters).
Ein typischer Tagesverlauf: Morgens um 7-8 Uhr steigen die Werte langsam auf 50-100 Watt. Gegen 10 Uhr beschleunigt sich der Anstieg, und um die Mittagszeit erreicht die Leistung ihr Maximum (bei einem 800-Wp-System typischerweise 500-700 Watt, je nach Ausrichtung und Jahreszeit). Am Nachmittag fällt die Kurve wieder, und ab 18-19 Uhr im Sommer (früher im Winter) ist Schluss.
Kalibrierung und Referenzmessung
Wenn du sichergehen willst, dass dein Shelly korrekt misst, kannst du einen einfachen Test machen: Schließe ein Gerät mit bekannter Leistung an, zum Beispiel einen Wasserkocher (typisch 1.800-2.200 Watt, steht auf dem Typenschild). Wenn der Shelly einen Wert anzeigt, der weniger als 5 % vom Typenschild-Wert abweicht, ist alles in Ordnung.
Alternativ: Vergleiche die Shelly-Werte mit denen deiner Wechselrichter-App. Beide sollten innerhalb von 5 % übereinstimmen. Größere Abweichungen deuten entweder auf ein Problem mit dem Shelly oder auf ungenaue Werte des Wechselrichters hin.
Datenschutz und lokaler Betrieb
Ein großer Pluspunkt des Shelly gegenüber Tapo und anderen Konkurrenten: Du kannst ihn komplett ohne Cloud betreiben. Shelly-Geräte funktionieren auch ohne Shelly-Cloud-Account, rein über das lokale Netzwerk.
Lokaler Betrieb einrichten
In der Shelly-App oder über das lokale Webinterface (erreichbar über die IP-Adresse des Shelly im Browser) kannst du die Cloud-Verbindung deaktivieren. Danach kommuniziert der Shelly nur noch innerhalb deines Heimnetzwerks. Die App funktioniert weiterhin, solange dein Handy im gleichen WLAN ist.
Der Haken: Ohne Cloud-Verbindung funktioniert die App nicht von unterwegs. Du siehst die Daten nur im Heimnetzwerk. Für viele Balkonkraftwerk-Betreiber ist das kein Problem, weil sie den Ertrag sowieso nur daheim prüfen. Wer den mobilen Zugriff braucht, belässt die Cloud-Verbindung aktiv oder nutzt einen Fernzugriff über VPN.
MQTT ohne Cloud
Der Shelly kann seine Messdaten per MQTT versenden, komplett lokal und ohne Cloud-Umweg. Dafür aktivierst du in den Geräteeinstellungen den MQTT-Modus und trägst die IP-Adresse deines MQTT-Brokers (z.B. Mosquitto auf einem Raspberry Pi) ein. Ab sofort sendet der Shelly alle Messwerte an den Broker, von wo Home Assistant, InfluxDB oder andere Systeme sie abholen.
Das MQTT-Interface des Shelly ist gut dokumentiert und sendet:
- Aktuelle Leistung in Watt (alle 10 Sekunden)
- Kumulierte Energie in Wh
- Spannung in Volt
- Strom in Ampere
- Temperatur des Shelly-Chips
Diese Daten sind die Grundlage für jedes weitergehende Monitoring-Setup. Du fängst mit dem Shelly an und kannst später ohne Umbauten auf InfluxDB, Grafana und Home Assistant erweitern.
Tapo P110/P115 im Detail
Für alle, die den günstigsten Einstieg suchen, hier noch etwas mehr zu den Tapo-Steckdosen.
Tapo P110 (ab ca. 12 Euro)
Der Tapo P110 ist die Basisvariante. Leistungsmessung mit ca. 3-5 % Genauigkeit, WLAN-Anbindung, Auswertung in der Tapo-App. Die App zeigt Echtzeit-Leistung, Tages- und Monatsenergiewerte. Der P110 hat keinen lokalen API-Zugang und funktioniert nur mit der Tapo-Cloud. Für Datenschutz-Bewusste ist das ein K.O.-Kriterium, für Pragmatiker, die einfach nur den Ertrag sehen wollen, kein Problem.
Tapo P115 (ab ca. 15 Euro)
Der P115 ist der Nachfolger mit besserer Messgenauigkeit und Matter-Unterstützung. Matter bedeutet, dass der P115 nativ mit Apple Home, Google Home und Home Assistant kommunizieren kann, ohne Herstellercloud. Das macht ihn für Smart-Home-Nutzer deutlich attraktiver als den P110.
Häufige Fragen in der Praxis
Beeinflusst die Messsteckdose die Einspeiseleistung?
Nein. Der Shelly Plug S (und alle anderen Messsteckdosen) messen passiv. Sie leiten den Strom einfach durch und messen dabei. Der Widerstand des Shelly ist so gering, dass er keinen messbaren Einfluss auf die Leistung hat. Bei 800 Watt Durchfluss entstehen im Shelly weniger als 0,5 Watt Verlust.
Kann ich mehrere Shellys an einem Balkonkraftwerk nutzen?
Technisch ja, aber es gibt keinen Grund dafür. Ein Shelly zwischen Wechselrichter und Steckdose misst den Gesamtausgang. Wenn du zwei Wechselrichter hast (z.B. bei einem System mit mehr als 800 Wp an zwei Einspeisepunkten), brauchst du pro Einspeisepunkt einen Shelly.
Was passiert bei einem Stromausfall?
Der Shelly startet nach einem Stromausfall automatisch neu und verbindet sich mit dem WLAN. Die kumulierten Energiewerte gehen dabei nicht verloren (sie werden im Flash-Speicher gesichert). Lediglich die Echtzeit-Messwerte haben eine kurze Lücke von 30-60 Sekunden, bis die Verbindung wieder steht.
Wie genau ist die kWh-Zählung über einen Monat?
Erfahrungswerte aus der Community zeigen, dass der Shelly Plug S über einen Monat typischerweise 1-3 % vom tatsächlichen Wert abweicht. Bei einem Monatsertrag von 60 kWh sind das 0,6-1,8 kWh Ungenauigkeit, also 20-60 Cent. Für Monitoring-Zwecke völlig akzeptabel.
Eine WLAN-Messsteckdose ist keine High-End-Monitoring-Lösung. Sie ist der pragmatische Einstieg, der 80 % des Nutzens für 20 % des Aufwands liefert. Und für die meisten Balkonkraftwerk-Betreiber ist genau das der Sweet Spot.