Wechselrichter-Marktübersicht: Hoymiles, Deye, Anker, EcoFlow und Co.
Beim Kauf eines Balkonkraftwerks fokussieren sich die meisten auf die Module. Der Wechselrichter bekommt oft wenig Beachtung, obwohl er über Ertrag, Zuverlässigkeit und Monitoring entscheidet. Und die Unterschiede zwischen den Herstellern sind größer, als du vielleicht denkst. Dieser Vergleich nimmt die wichtigsten Marken unter die Lupe und hilft dir, den richtigen Wechselrichter für dein Setup zu finden.
TL;DR
- Hoymiles (HMS-800/900-2T) ist der meistverkaufte Mikrowechselrichter in Deutschland: zuverlässig, gutes Monitoring, breite Kompatibilität.
- Deye (SUN-M80G3-EU-Q0) bietet Modbus-Schnittstelle und eignet sich für technikaffine Nutzer, die in Smart-Home-Systeme integrieren wollen.
- Anker (Solarbank 2) geht einen eigenen Weg mit integriertem Speicher und vier MPP-Trackern, ist aber an das Anker-Ökosystem gebunden.
- EcoFlow (PowerStream) funktioniert nur im EcoFlow-System mit eigenen Powerstations, bietet dafür aber cleveres Energiemanagement.
- APSystems und TSUN sind solide Alternativen mit eigenen Stärken bei Dual-Mikrowechselrichtern.
Hoymiles: Der Marktführer
Hoymiles aus dem chinesischen Hangzhou ist der mit Abstand meistverkaufte Mikrowechselrichter-Hersteller für Balkonkraftwerke in Deutschland. Die Geräte sind in der Mehrzahl der Komplettsets verbaut, und das hat seine Gründe.
Aktuelle Modelle
HMS-800-2T: Zwei MPP-Tracker, 800 W AC-Ausgangsleistung, je 500 W DC-Eingang pro Tracker. Integriertes WLAN, kein separater DTU-Stick mehr nötig (ab der T-Serie). Peak-Wirkungsgrad: 96,7 %. Maximale DC-Eingangsspannung: 65 V. IP67. Abmessungen: 261 x 240 x 35 mm, Gewicht: 3,5 kg.
HMS-900-2T: Identisch zum HMS-800, aber mit 900 W AC-Ausgang. Gedacht für Märkte, die eine höhere Einspeisegrenze erlauben, oder für die Zukunft, falls Deutschland die Grenze anhebt. In Deutschland wird er aktuell per Software auf 800 W gedrosselt.
HMS-800W-2T (ältere Version): Benötigt noch einen separaten DTU-WLite als Kommunikationsbrücke zum WLAN-Router. Funktioniert einwandfrei, aber die neuere T-Serie mit integriertem WLAN ist komfortabler.
Monitoring
Das Monitoring läuft über die S-Miles Cloud App (oder alternativ S-Miles Installer für erweiterte Funktionen). Du siehst Echtzeit-Leistung jedes einzelnen Moduls, Tageserträge, Monatserträge und historische Daten. Die App ist funktional, wenn auch optisch nicht die hübscheste. Die Datengenauigkeit liegt bei etwa 95 bis 98 % verglichen mit einem externen Energiemessgerät.
Ein großer Pluspunkt: Hoymiles-Wechselrichter lassen sich über die App auf eine bestimmte Einspeiseleistung begrenzen. Wenn du von einem 600-W-Altgerät auf 800 W umstellen willst, musst du kein neues Gerät kaufen. Ein Software-Update reicht.
Stärken und Schwächen
Stärken: Extrem breite Verfügbarkeit, lange am Markt, guter Support in Deutschland, VDE-AR-N 4105 zertifiziert, zwei echte MPP-Tracker, solide Zuverlässigkeit. Die Community im Photovoltaikforum ist riesig, bei Problemen findest du schnell Hilfe.
Schwächen: Die App könnte moderner sein. Die DTU-Kommunikation ist bei den älteren Modellen (ohne integriertes WLAN) manchmal unzuverlässig. Keine direkte Smart-Home-Integration (kein Modbus out of the box), dafür gibt es aber Community-Lösungen über die lokale DTU-API.
Preis
110 bis 170 Euro für den HMS-800-2T (Stand 2026). Im Komplettset oft günstiger.
Deye: Der Technik-Tipp
Deye (gesprochen "Dee") ist ein chinesischer Hersteller, der sich im Balkonkraftwerk-Markt einen Namen durch technische Vielseitigkeit gemacht hat.
Aktuelle Modelle
SUN-M80G3-EU-Q0: Der meistverkaufte Deye-Mikrowechselrichter. 800 W AC-Ausgang, zwei MPP-Tracker, integriertes WLAN. DC-Eingang: 2 x 450 W. Peak-Wirkungsgrad: 96,5 %. Maximale DC-Eingangsspannung: 60 V. IP67. Gewicht: 3,2 kg.
SUN-M60G3-EU-Q0: Die 600-W-Variante für Altanlagen oder reduzierte Einspeiseleistung.
Monitoring
Deye nutzt die Solarman App für das Monitoring. Die App zeigt Echtzeit-Leistung, Erträge und Modulstatistik. Das Besondere: Deye-Wechselrichter bieten eine Modbus-RTU-Schnittstelle, die sich direkt in Smart-Home-Systeme wie Home Assistant integrieren lässt. Für technikaffine Nutzer ist das ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Über Modbus lassen sich nicht nur Daten auslesen, sondern auch Parameter setzen, etwa die Einspeiseleistung dynamisch anpassen. In Kombination mit einem Shelly Pro 3EM oder einem Smart Meter lässt sich damit eine Nulleinspeisung realisieren, also genau so viel einspeisen, wie gerade verbraucht wird.
Stärken und Schwächen
Stärken: Modbus-Schnittstelle für Smart-Home-Integration, günstig, kompakt, gute technische Dokumentation. Die Möglichkeit, die Einspeiseleistung dynamisch zu steuern, ist bei Hoymiles nur über Umwege möglich.
Schwächen: Die Solarman App sendet Daten über chinesische Server, was manche Nutzer datenschutztechnisch stört. Die VDE-Zertifizierung war anfangs ein Thema (ältere Modelle hatten sie nicht), die aktuellen G3-Modelle sind aber VDE-zertifiziert. Kleinere Community als Hoymiles, weniger Support-Ressourcen auf Deutsch.
Preis
90 bis 140 Euro (Stand 2026). Deye ist tendenziell etwas günstiger als Hoymiles.
Anker: Der Systemanbieter
Anker geht mit der Solarbank-Serie einen eigenen Weg: Statt eines reinen Mikrowechselrichters bietet Anker ein integriertes System aus Wechselrichter, Speicher und Energiemanagement.
Aktuelle Modelle
Solarbank 2 E1600 Pro: Kein klassischer Mikrowechselrichter, sondern ein AC-gekoppeltes System mit integriertem 1,6-kWh-Speicher. Vier MPP-Tracker für bis zu vier Module. Maximale Eingangsleistung: 2.400 W (4 x 600 W). AC-Ausgang: 800 W (regelbar). Der Wechselrichter ist in der Speichereinheit integriert. Erweitbar mit bis zu vier zusätzlichen Batterien (bis 9,6 kWh).
Anker MI80 (älteres Modell): Klassischer Mikrowechselrichter mit 800 W, zwei MPP-Tracker. Wird von der Solarbank-Serie abgelöst.
Monitoring
Die Anker App ist eine der benutzerfreundlichsten im Markt. Übersichtliches Dashboard, Echtzeit-Leistung, Speicherstand, Verbrauchsanzeige (mit optionalem Smart Meter). Die Integration in das Anker-Ökosystem ist nahtlos.
Stärken und Schwächen
Stärken: All-in-One-System mit Speicher, sehr gute App, vier MPP-Tracker (ideal für unterschiedlich ausgerichtete Module), Smart-Meter-Integration für Eigenverbrauchsoptimierung. Guter Kundensupport in Deutschland.
Schwächen: Hoher Preis (das Solarbank 2 E1600 Pro Set kostet ab etwa 1.200 Euro, deutlich mehr als ein reiner Wechselrichter). An das Anker-Ökosystem gebunden. Nicht kompatibel mit Wechselrichtern anderer Hersteller. Die AC-Kopplung hat etwas höhere Wandlungsverluste als eine reine DC-Lösung.
Preis
Solarbank 2 E1600 Pro: ab ca. 800 Euro (nur Speichereinheit ohne Module). Im Set mit Modulen ab ca. 1.200 Euro.
EcoFlow: Das Ökosystem
EcoFlow ist bekannt für tragbare Powerstations und hat mit dem PowerStream-System den Sprung in den Balkonkraftwerk-Markt gemacht.
Aktuelle Modelle
EcoFlow PowerStream 800W: Mikrowechselrichter mit 800 W AC-Ausgang, zwei MPP-Tracker. Das Besondere: Er kann an eine EcoFlow Powerstation (Delta-Serie oder River-Serie) angeschlossen werden und überschüssigen Solarstrom dort speichern.
EcoFlow Stream Ultra: Die neueste Generation. All-in-One-Gerät mit integriertem 1,92-kWh-Speicher, vier MPP-Trackern und Powerstation-Funktion. Ähnliches Konzept wie die Anker Solarbank, aber zusätzlich als Notstrom-Powerstation nutzbar.
Monitoring
EcoFlow App mit detaillierten Verbrauchs- und Erzeugungsdaten. In Kombination mit dem EcoFlow Smart Plug oder Smart Meter kann das System den Eigenverbrauch optimieren und dynamisch zwischen Einspeisung und Speicherung wechseln.
Stärken und Schwächen
Stärken: Cleveres Energiemanagement, Powerstation-Integration (Notstromfähig), gute App, durchdachtes Ökosystem.
Schwächen: Nur im EcoFlow-Ökosystem nutzbar. Teurer als reine Mikrowechselrichter. Der PowerStream-Wechselrichter ist ohne EcoFlow-Speicher wenig sinnvoll, weil die meisten Features darauf aufbauen. Modulauswahl eingeschränkt (nicht alle Module sind kompatibel).
Preis
PowerStream 800W: ab ca. 200 Euro (ohne Speicher). Stream Ultra: ab ca. 1.500 Euro.
APSystems: Der Dual-Spezialist
APSystems (ehemals APsystems) aus China ist ein etablierter Mikrowechselrichter-Hersteller, der vor allem im internationalen Markt für kleine bis mittlere PV-Anlagen bekannt ist.
Aktuelle Modelle
EZ1-M: 800 W Mikrowechselrichter mit zwei MPP-Trackern und integriertem WLAN. Kompaktes Design, IP67. Besonderheit: Die EZ1-Serie hat einen extrem niedrigen Eigenverbrauch im Standby (unter 0,5 W nachts).
Stärken und Schwächen
Stärken: Sehr niedriger Standby-Verbrauch, gute Verarbeitungsqualität, VDE-zertifiziert. Internationale Erfahrung im Mikrowechselrichter-Bereich.
Schwächen: Kleinerer Marktanteil in Deutschland als Hoymiles und Deye. Weniger Community-Support und Zubehör. Die App (EMA) ist funktional, aber wenig verbreitet.
Preis
120 bis 160 Euro (Stand 2026).
TSUN: Die Budget-Alternative
TSUN ist ein chinesischer Hersteller, der sich im unteren Preissegment positioniert.
Aktuelle Modelle
TSOL-MS800: 800 W, zwei MPP-Tracker, WLAN-Monitoring über die Talent Home App. IP67. Peak-Wirkungsgrad: 96,5 %.
Stärken und Schwächen
Stärken: Günstig, grundsolide Funktion, VDE-zertifiziert.
Schwächen: Weniger ausgereiftes Monitoring als Hoymiles oder Deye. Kleinerer Support-Apparat. Für Einsteiger, die einfach einen funktionierenden Wechselrichter wollen, aber keine Extras brauchen.
Preis
80 bis 120 Euro (Stand 2026).
Der Vergleich auf einen Blick
Wenn du die Hersteller nebeneinanderstellst, kristallisieren sich verschiedene Profile heraus:
| Nutzertyp | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Die meisten Nutzer | Hoymiles HMS-800-2T | Bewährt, zuverlässig, gutes Monitoring, riesige Community |
| Technik-Enthusiasten | Deye SUN-M80G3 | Modbus-Schnittstelle, Smart-Home-Integration, dynamische Leistungsanpassung |
| Speicher-Interessierte | Anker Solarbank 2 oder EcoFlow PowerStream/Stream Ultra | All-in-One mit Speicher, Energiemanagement und Monitoring |
| Budget-Käufer | TSUN oder günstige Deye-Modelle | Basics (DC zu AC, VDE-konform, Monitoring) zum niedrigsten Preis |
Worauf du bei der Wahl achten solltest
Unabhängig vom Hersteller gibt es ein paar Kriterien, die du prüfen solltest:
VDE-AR-N 4105 Zertifizierung: Pflicht in Deutschland. Steht im Datenblatt. Ohne diese Zertifizierung darfst du den Wechselrichter nicht ans Netz anschließen.
Anzahl der MPP-Tracker: Zwei getrennte Tracker sind bei zwei Modulen Standard und sinnvoll. Wenn du vier Module anschließen willst, brauchst du vier Tracker (Anker Solarbank 2) oder zwei Wechselrichter.
Maximale DC-Eingangsspannung: Muss zur Leerlaufspannung deiner Module passen, auch bei Kälte. Typisch: 55 bis 65 V. Prüfe das gegen dein Modul-Datenblatt.
IP-Schutzklasse: Mindestens IP65 für den Außeneinsatz, besser IP67.
Garantie: Die meisten Hersteller geben 10 bis 15 Jahre Garantie auf den Wechselrichter. Hoymiles bietet 12 Jahre (verlängerbar auf 25), Deye 10 bis 12 Jahre.
Monitoring-Qualität: Wenn dir Ertragsdaten wichtig sind, probiere die App des Herstellers vorher auf einem Demozugang aus (viele Hersteller bieten das an) oder lies Erfahrungsberichte.
Die Wahl des Wechselrichters ist persönlicher als die Wahl des Moduls. Module unterscheiden sich in Zahlen, Wechselrichter in Features, Ökosystemen und Nutzungserfahrung. Nimm dir die Zeit, dein Anforderungsprofil zu klären, ob du reines Einspeisen willst, Smart-Home-Integration, Speicherlösung oder einfach das günstigste Gerät, und wähle dann entsprechend.